Artwork (Zombie Teenz Evolution)
© Scorpion Masque

Neben Die Abenteuer des Robin Hood und MicroMacro: Crime City ist Zombie Teenz Evolution in diesem Jahr zum »Spiel des Jahres« nominiert. Damit hat die Jury durchaus überrascht. Nicht etwa, weil das Spiel so grottenschlecht wäre, sondern weil die meisten Beobachter und Kritikerinnen es wohl eher als Kinderspiel eingeordnet hätten.

Ergibt ja auch durchaus Sinn, immerhin landete der hier sehr gelobte Vorgänger Zombie Kidz Evolution im vergangenen Jahr auf der Kinderspiel-Empfehlungsliste.

Aus den coolen Kidz wurden also krasse Teenz, sonst ändert sich (erst mal) nichts. Nach insgesamt 34 Partien Zombie Kidz mit allen Evolutionen des Spiels (dazu gleich mehr) fühlen sich die ersten Runden von Zombie Teenz simpel an.

Fast so, als wäre man bei einem Computerspiel sehr viele Level zurückgesetzt worden und müsste eine Welt noch einmal komplett neu durchlaufen. Kann man machen, ist aber nicht gerade das spannendste Erlebnis.

Wir müssen keine vier Schultore mehr schließen wie bei den Zombie Kidz, sondern vier Kisten mit Ressourcen aus den Ecken des Mini-Spielplans in die Mitte schaffen. Die Zombies spawnen nicht mehr in den Klassenräumen, sondern kriechen aus der Kanalisation. Klingt alles neu und anders, spielt sich aber erstaunlich ähnlich und auch nicht gerade herausfordernder.

Verpackung (Zombie Teenz Evolution)
© Scorpion Masque

Gefahren bannen, sich nicht überrennen lassen und gleichzeitig Aufgaben erfüllen, ist die vielfach bewährte Formel für erfolgreiche kooperative Spiele. Die blendend aufgelegten Teenager harmonieren dann auch erstaunlich gut miteinander, können zudem mit unglücklichen Würfelergebnissen umgehen und wir fahren eine ganze Reihe an Siegen ein.

Eine Partie dauert etwa zwanzig Minuten und wir kommen zügig voran. Der fast Achtjährige ist voll mit dabei und selbst der knapp drei Jahre jüngere Bruder kann dem Spielverlauf zumindest in den ersten zehn Partien einigermaßen folgen. Das ist schön für die Kinder und mich, der sie erfolgreich für einige Stunden bespaßt.

Die Jury »Spiel des Jahres« schreibt über Zombie Teenz: »Das einfache Grundprinzip des Spiels findet stets neue Wege, die Spieler*innen zu motivieren, die Knobelaufgabe wieder und wieder meistern zu wollen.« Mit den »neuen Wegen« sind neue Regeln und Spielmaterial gemeint, die im Legacy-Stil alle paar Partien hinzukommen.

Insgesamt gibt es 14 Umschläge, die neue Mechaniken, Charaktere und Spezialeigenschaften bereithalten. Und wie bei Zombie Kidz ist es die Neugier auf das Öffnen der Umschläge, welche die Motivation hochhält. Auf diese Weise kommen alle zwei, drei Partien neue Elemente hinzu, allerdings nichts Weltbewegendes.

Inhalt (Zombie Teenz Evolution)
© Scorpion Masque

Das kann ich hier schon verkünden, obwohl wir erst sieben Umschläge erreicht haben. In die anderen kann man auf der Verlagsseite hineinluschern, wenn man auf Spoiler steht oder eine Rezension schreiben möchte, ohne 30 Partien eines Spiels zu zocken.

Zur zweiten Hälfte hin wird das Spiel dann auch regeltechnisch so anspruchsvoll, dass es tatsächlich als Familienspiel durchgehen könnte – ließe man einen entscheidenden Aspekt außer Acht. Nämlich dass das Gesamtpaket Zombie Teenz Evolution einen förmlich anschreit: »Ich bin ein Kinderspiel!«

»Ich bin ein Kinderspiel!«

Die Protagonisten sind zwar Teenager, allerdings sind sie genauso gestaltet, wie sich jüngere Kinder coole Teenz vorstellen: comichaft, mit verschmitzten Minen und Böllern und Raketen im Rucksack. Clevere Anspielungen oder Reminiszenzen, welche sich an etwas Ältere richten und diese in ihren Bann ziehen könnten, fehlen. Zombie Teenz ist in diesem Sinne viel mehr TKKG als Stranger Things.

Das Spiel ist also perfekt für Fans von Zombie Kidz, wie meine Kinder. Es ist ja auch eigentlich das gleiche Spiel – nur halt mit etwas abgewandelten Regeln, passend für Acht- und Neunjährige, die entweder miteinander oder mit ihren Eltern und Großeltern spielen.

Dass Erwachsene mitspielen und dann auch Spaß haben, macht ein Spiel nicht wirklich zum Familienspiel. Man schaut als Erwachsener ja auch »Die Sendung mit der Maus« mit dem Nachwuchs und würde die Sendung trotzdem nicht unbedingt beim Videoabend mit der Clique vorschlagen.

Aber wenn ich mal wieder das Bedürfnis habe, der uncoolste Gast auf einer Erwachsenen-Party zu sein und das Klischee zu bestätigen, Brettspiele seien infantiler Kram, bringe ich Zombie Teenz vielleicht mit. »So, Leute, kommt mal alle her, ich habe hier was total Krasses. Wer will ein mega cooler Teenie sein?«

Es ist ein tolles Spiel für Kinder von sieben bis zehn Jahren, wäre als »Spiel des Jahres 2021« aber kein guter Botschafter eines Hobbys, welches schon weiter ist.

Mein Sohn hat Zombie Teenz aber gleich mal in seinem (Online-) Stuhlkreis vorgestellt und konnte damit eine zweite Klasse beeindrucken. Ist halt alles eine Frage der Zielgruppe.

Fazit: Es dürfte relativ klar sein, was ich von Zombie Teenz Evolution halte. Es ist ein tolles Spiel für Kinder von sieben bis zehn Jahren, wäre als »Spiel des Jahres 2021« aber kein guter Botschafter eines Hobbys, welches schon weiter ist. Selbst im Legacy-Einsteigerbereich gibt es eine Reihe besserer Spiele wie eben Robin Hood oder My City aus dem letzten Jahr.

Zombie Kidz Evolution hat es im letzten Jahr leider nur auf die Empfehlungsliste zum »Kinderspiel des Jahres« geschafft, obwohl es vermutlich das innovativste und beste Kinderspiel des Jahrgangs war. Die Zombie Teenz sind nicht wirklich etwas für kleine Kinder unter sieben Jahren, die ohne größere Geschwister spielen.

Damit fällt das Spiel zwischen die Kategorien, welche die Jury auszeichnet. Das ist zwar schade für Autorin und Verlag, sollte aber nicht dazu führen, dass Zombie Teenz Evolution »Spiel des Jahres 2021« wird. Das passt einfach nicht.

Zombie Teenz Evolution von Annick Lobet, Scorpion Masqué/Asmodee, 2–4 Personen ab 8 Jahren, ca. 25 Euro.