Material (MicroMacro: Crime City)
© Hendrik Breuer

Weihnachten 2020 wird anders als alle vorherigen Feste, soviel ist schon mal klar. Wir werden weniger Leute treffen als sonst und auch unsere Wohnungen nicht besonders oft verlassen. Und doch sollten wir mit der verbliebenen Hausgemeinschaft irgendwas machen. Wozu hat man denn sonst eine Bubble? Wie in jedem Jahr schlage ich deshalb auch in dieser besonderen Situation vor: Spielt mehr Gesellschaftsspiele!

Und ja, es gibt gute und spannende neue Spiele. Das sage übrigens nicht nur ich, das sagt auch der Markt. Neben Zoom, Amazon und anderen Unternehmen mit digitalem Fokus hat nämlich auch die analoge Spielebranche von der Coronakrise profitiert. Der zuständige Verband hat schon vor der Weihnachtszeit ein Absatzplus von rund 20 Prozent durch alle Segmente vermeldet.

MicroMacro: Crime City

Glücklicherweise wurden in diesem Jahr nicht nur neue Monopoly-Versionen und Risiko-Varianten auf den Markt geworfen, sondern auch viele richtig gute Spiele, allen voran MicroMacro: Crime City, was überall als heißer Weihnachtstipp besprochen wird.

Somit ist dies der größte Hype-Titel mit bislang auch schon rund 25.000 verkauften Spielen auf Deutsch, was ein sehr ordentlicher Start ist. Mich hat MicroMacro auch schon einige Runden lang in seinen Bann gezogen. Obwohl »Runden« das falsche Wort ist, »Fälle« trifft es besser.

Verpackung (MicroMacro: Crime City)

Bei MicroMacro lösen nämlich alle zusammen Kriminalfälle auf einem riesigen Cartoon-Stadtplan. Anhand von Fragen auf Kärtchen arbeiten wir uns immer tiefer in die Fälle ein und lösen sie schließlich. Das ist sehr cool und der Plan als »Wimmelbild für Erwachsene« (und mitspielende Kinder) ist schon sehr geil, vor allem braucht man hierbei wirklich nichts zu erklären und kann einfach gucken und losspielen. Ein großes Plus bei sehr gemischten Spielgruppen.

MicroMacro ist im Herbst erschienen und hat, um mal ein bisschen in die Glaskugel zu schauen, bestimmt gute Chancen, bei der Preisverleihung zum »Spiel des Jahres 2021« im kommenden Juli berücksichtigt zu werden.

MicroMacro: Crime City von Johannes Sich, Edition Spielwiese/Pegasus Spiele, 1–4 Spieler ab 8 Jahren, ca. 25 Euro.

Pictures

Doch zurück zu diesem Jahr und dem »Spiel des Jahres 2020«. Es heißt Pictures und funktioniert bestimmt auch gut zu Weihnachten, vorausgesetzt man hat drei, vier etwa gleich tickende Spieler beisammen. Ich bin zwar nicht der größte Fan von Pictures (hier könnt ihr in einer ausführlichen Rezension lesen, warum das so ist), doch ist es sicherlich kein schlechtes Spiel – andere Rezensenten sind begeistert.

Verpackung (Pictures)

Pictures von Daniela und Christian Stöhr, PD-Verlag, 3–5 Spieler ab 8 Jahren, ca. 38 Euro.

Nova Luna

Ich würde allerdings eher das beruhigende Legespiel Nova Luna empfehlen, insbesondere wenn ihr zu zweit seid. Nova Luna werden meine Frau und ich garantiert auch wieder über ein Gläschen Wein spielen.

Verpackung (Nova Luna)

Nova Luna von Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel, Edition Spielwiese/Pegasus Spiele, 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, ca. 25 Euro.

My City

Mein Favorit für die diesjährige Auszeichnung war allerdings das innovative und doch leicht verständliche Legacy-Spiel My City. Wenn ihr weder My City kennt, noch wisst, was ein Legacy-Spiel ist, habe ich im Sommer mal aufgeschrieben, warum das ein so tolles Spiel ist.

Verpackung (My City)

My City von Reiner Knizia, Kosmos Verlag, 2–4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 34 Euro.

King of Tokyo: Dark Edition

Wenn ihr Kinder habt (und mit ihnen spielen wollt), sind die bis jetzt genannten Spiele vielleicht nicht perfekt. Ältere Kinder finden sie unter Umständen uncool und jüngere fremdeln mit der wenig kindlichen Ästhetik, und bei MicroMacro, was Kinder ab acht durchaus mitspielen können, gibt es teilweise erstaunliche Details in den Kriminalfällen (etwa: junge Geliebte verursacht Tod des alten Mannes, um ans Erbe zu kommen).

Wer also etwas ältere Kinder hat, die sonst den ganzen Tag lang an der Switch hängen, kann es mal mit King of Tokyo: Dark Edition probieren, das wir vor ein paar Wochen ausführlich gewürdigt haben. Das Spiel ist eine Art Battle Royale um die Vorherrschaft in der japanischen Metropole und orientiert sich auch grafisch eher an Comics, denn an typischen Brettspielen.

Spielszene (King of Tokyo Dark Edition)

King of Tokyo: Dark Edition von Richard Garfield, iello/Hutter, 2–6 Spieler ab 8 Jahren, ca. 39 Euro.

Andor Junior

Für Kinder ab sechs empfehle ich ein anderes, wirklich fantastisches Spiel: Andor Junior. Der eine oder die andere kennt vielleicht die Andor-Reihe für Erwachsene. Es handelt sich dabei um kooperative Kampagnen-Spiele in einer Fantasy-Welt, bei der manchmal ein für Brettspiele ganz ungewohntes Open-World-Gefühl aufkommt. Die Junior-Variante bricht das Spielprinzip jetzt sehr kindgerecht herunter.

Verpackung (Andor Junior)

Jeder übernimmt die Rolle eines Helden (bzw. einer Heldin, denn das Spiel bietet vorbildlicherweise beides an) und stürzt sich ins Abenteuer. Es geht darum, junge Wölfe aus einer Höhle zu befreien. Vorher geht es allerdings durch den Nebel, werden Monster bekämpft und, ganz Kampagnen-Spiel, wechselnde Aufgaben erfüllt.

Das macht sogar Erwachsenen Spaß (ja, wirklich!) und da alle gemeinsam spielen, kann den Kleinsten auch immer gut geholfen werden, ohne dass sie sich nicht ernst genommen fühlen. Neben Nova Luna ist Andor Junior das zweite Spiel, das ich mit Sicherheit über die Weihnachtstage spielen werde.

Andor Junior von Inka und Markus Brand, Kosmos Verlag, 2–4 Spieler ab 7 Jahren, ca. 25 Euro.

Zwei Spiele, die im Genre der Legacy-Spiele neue Maßstäbe gesetzt haben und mir einige der schönsten Spiele-Stunden überhaupt verschafft haben.

Pandemic Legacy

Das dritte ist Pandemic Legacy: Season 0, welches schon seit einigen Monaten eingeschweißt bei mir im Schrank steht, weil ich es mir wie eine gute Netflix-Serie für den Weihnachtsurlaub aufgespart habe. Season 0 ist das Prequel zu den mega erfolgreichen Pandemic Legacy Season 1 und Season 2; zwei Spiele, die im Genre der Legacy-Spiele neue Maßstäbe gesetzt haben und mir einige der schönsten Spiele-Stunden überhaupt verschafft haben. Dummerweise habe ich Season 0 noch nicht einmal ausgepackt, kann es seriöserweise also nicht empfehlen.

Und trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass es uns super unterhalten wird, dazu ist das verantwortliche Autorenteam einfach zu gut.

Verpackung (Pandemic Legacy: Season 0)

Mein Highlight über die Feiertage dürfte also dieses kooperative Spiel werden, das ich hier noch gar nicht abfeiern kann. Das mache ich dann im neuen Jahr, wenn ich mit der Kampagne durch bin.

Denjenigen unter euch, die richtig viel Zeit »zwischen den Jahren«, mindestens eine feste Mitspielerin oder einen festen Mitspieler und Bock auf ein intensives und unglaublich befriedigendes Spielerlebnis haben, kann ich deshalb nur vorschlagen, die Pandemic Legacy-Reihe mit Season 1 zu beginnen. Ich verspreche euch: Danach wisst ihr auch, was ihr zu Weihnachten 2021 machen werdet, ganz egal, wie es mit COVID-19 weitergeht: nämlich weitere Legacy-Spiele zocken.

Pandemic Legacy: Season 0 von Rob Daviau und Matt Leacock, ZMan/Asmodee, 2–4 Spieler ab 14 Jahren, ca. 65 Euro.

Frohes Fest und bleibt gesund!