Bond mit gezogener Waffe (James Bond: Keine Zeit zu sterben)

Nach jahrelangen Strapazen im Geheimdienst hat James Bond (Daniel Craig) beschlossen, seine Arbeit niederzulegen, um gemeinsam mit Madeleine Swann (Lea Seydoux) die Welt zu bereisen. Doch der Ruhestand hält nicht lange an. Denn eine rätselhafte Nachricht aus Bonds Vergangenheit führt ihn auf die Spur einer finsteren Organisation.

Während M (Ralph Fiennes) auf der politischen Ebene um den Erhalt des Geheimdienstes kämpft, enthüllt Bond die Täuschung Schritt für Schritt und bringt die schreckliche Wahrheit hinter Spectre ans Tageslicht, in der auch der gefährliche Terrorist Safin (Rami Malek) involviert ist.

Auf diese eigentlich recht übersichtliche Prämisse wird in ganzen 163 Minuten aufgebaut. Damit gebührt die längste Filmlänge aller Bond-Filme dem Abschlussfilm von Daniel Craig. Die Länge selbst ist gar nicht mal das Problem, schließlich passiert genug, um die Laufzeit zu füllen.

Das Problem liegt eher darin, dass der letzte 007-Film vor inzwischen gut sechs Jahren erschienen ist, der Film aber voraussetzt, dass die Zuschauenden haufenweise Querverweise und Zusammenhänge erkennen.

Auto (James Bond: Keine Zeit zu sterben)

Doch selbst mit dem entsprechenden Vorwissen wirkt Keine Zeit zu sterben so überladen, dass einst relevante Figuren wie Moneypenny (Naomie Harris) oder Felix Leiter (Jeffrey Wright) untergehen.

Das wäre weitaus weniger schlimm, wenn dadurch das Hauptaugenmerk vermehrt auf 007 liegen würde. Doch immer, wenn der Film Bonds Liebesgeschichte in den Fokus rücken sollte, bringt er einen weiteren Nebenplot oder eine weitere Nebenfigur ins Spiel. So richtig konnte man sich anscheinend nicht entscheiden, welche Bond-Elemente man hier vereinen wollte.

Zum einen setzt man wieder vermehrt auf klassische Verfolgungsjagden und ausufernde Schusswechsel aus der jüngeren Ära, zum anderen raunzt Bond seine Flamme Madeleine Swann an, als wäre der frühe Connery-Bond in ihn gefahren. Im weiteren Verlauf wird eine ausschweifende, protzige Untergrund-Schurkenbasis erkundet, welche aus den späteren Connery- oder vielen Moore-Filmen stammen könnte.

Auch tonal springt der Film hin- und her. Während Bösewicht Safin aus der Zeit der schrillen Bond-Gegenspieler stammen könnte, wird die Ernsthaftigkeit von Lizenz zum Töten vorgespielt, um dann doch wieder von One-Linern eines Pierce-Brosnan-Bonds gebrochen zu werden. Man könnte meinen, das Franchise steckt in einer Identitätskrise.

Paloma (James Bond: Keine Zeit zu sterben)

Und so fragt man sich, wie es sein kann, dass die von Ana de Armas gespielte CIA-Jungagentin Paloma Daniel Craig die Show stiehlt und ihre Action-Szene mehr hängen bleibt als ein Großteil des Films. Auch Gegenspieler Safin (Rami Malek) bleibt indes weniger in Erinnerung als die nicht einmal 20-minütige Screentime der Schauspielerin.

Nicht jeder Bond-Bösewicht in der nun fast 60-jährigen Historie hat funktioniert, doch egal wie viel Mühe sich Malek gibt, die Figur wirkt blass und wirkungslos. Durch seine bewusst melancholische, dröge Art des Schauspiels fällt das wohl größte Problem dieses Films umso mehr auf: die mangelnde Motivation für seinen zwielichtigen Plan.

Dabei steckt in Keine Zeit zu sterben ein richtig guter Bond-Film. Daniel Craig gibt schließlich alles, um sich gebürtig zu verabschieden, während Regisseur Cary Fukunaga (True Detective S1, Beasts of no Nation) wahnsinnig schöne, weite Aufnahmen in großen Set Pieces inszeniert.

In den besten Momenten leidet man mit Bond, weil er einfach nur seinen Seelenfrieden finden will, aber nicht kann. Weil er sich langfristig binden und Zweisamkeit genießen will. Und weil es nun mal der letzte Bond-Film mit Daniel Craig ist. Und doch gelingt es nie, all diese Elemente unter einen Hut zu bekommen.

Madeleine Swann (James Bond: Keine Zeit zu sterben)

Der Weg ins Finale hatte sich zu wenig auf den emotionalen Vorbau fokussiert, um im Schlussakt auch nur ansatzweise so wirkungsvoll zu sein wie Ethan Hunts Geschichte in Mission: Impossible – Fallout.

Damit reiht sich Keine Zeit zu sterben zwar zu den soliden, keinesfalls aber zu den besten 007-Filmen ein.

Fazit: Während es das Actionkino mit packenden Filmen wie eben Mission: Impossible, John Wick oder asiatischen Produktionen wie The 800 immer mehr krachen lässt, wird beim 007-Abschluss von Daniel Craig wohl nur wenig hängen bleiben. Der Film verliert seinen eigentlichen Fokus – die Liebesgeschichte und den langersehnten inneren Frieden Bonds – zu sehr aus den Augen.

Damit reiht sich Keine Zeit zu sterben zwar zu den soliden, keinesfalls aber zu den besten 007-Filmen ein. Goodbye, Mr. Craig. Thank you for your service and farewell.

Keine Zeit zu sterben ist seit dem 30. September 2021 in deutschen Kinos zu sehen.