Poster (Dune)

Die Vorgeschichte zur neuen Dune-Verfilmung ist lang und kompliziert. Basierend auf den gleichnamigen Roman von 1965, sollte Alejandro Jodorowsky den Meilenstein der Science-Fiction schon Mitte der 70er auf die Leinwand bringen.

In der fantastischen Doku Jodorowsky’s Dune wird eindrucksvoll beschrieben, mit welcher Leidenschaft, aber eben auch Wahnsinn Frank Herberts Dune umgesetzt werden sollte: Eine Länge von 14 Stunden, Filmmusik von Pink Floyd, die Ausstattung von HR Giger (Alien-Design) und Orson Welles (Citizen Kane) vor der Kamera – in allen Bereichen sollten sich die Besten der Besten versammeln.

Letzteres kann man auch vom neuen Film von Denis Villeneuve (Sicario, Arrival, Blade Runner 2049) behaupten: Mit einem überragenden Cast aus Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Zendaya, Oscar Isaac, Josh Brolin, Javier Bardem, Stellan Skarsgård, Jason Momoa und Dave Bautista in den wichtigsten Rollen; Kameramann Greig Fraser (Zero Dark Thirty, Rogue One) und dem Soundtrack von Hans Zimmer (Gladiator, The Dark Knight) wurde auch hier ein Star-Ensemble aufgefahren, das seinesgleichen sucht.

Die bekannten Gesichter helfen dabei, die vielen Charaktere, Häuser-Strukturen, Planeten und Begrifflichkeiten den Zuschauenden näher zu bringen.

Paul und Jessica (Dune)

Denn schon die Romanvorlage stellte damals bekannte Sci-Fi-Elemente auf den Kopf. Statt Ländergemeinschaften herrscht ganz allein das Imperium, dessen Macht durch verschiedene Häuser gefestigt wird. Computer und Roboter gibt es nicht mehr.

Die mächtigste Ressource heißt stattdessen Spice, zu finden auf dem Wüstenplaneten Arrakis alias Dune. Einfach gesagt: Wer das bewusstseinserweiternde Spice kontrolliert, kontrolliert das Universum. Nach vielen Jahrzehnten der unterdrückenden Herrschaft unter dem Haus Harkonnen soll nun Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) den Spice-Abbau überwachen.

Dune dreht sich um die Bestimmung des Paul Atreides (Timothée Chalamet), Konflikt, Krieg, Verrat, Spiritualität und – in Villeneuves Version besonders hervorgehoben – Familie.

All das vermittelt Villeneuve mit bombastischen Bildern, die förmlich die Leinwand sprengen. Die Größenverhältnisse sind beeindruckend: Wenn die bis zu 400 Meter langen Sandwürmer in den endlosen Dünen von Arrakis erscheinen, dann wirkt jede noch so einflussreiche Figur winzig. Dennoch schafft es Villeneuve, den Figuren Bedeutung, Tiefe und Emotionen zu verleihen.

Leto (Dune)

Schon Blade Runner 2049 ließ Szenen lange wirken – für viele zu lange. Auch Dune nimmt sich viel Zeit jedoch immer mit dem Ansatz, dass anhand der unterschiedlichen Stilistik klargemacht wird, welche Figuren und Häuser wie positioniert sind.

Kurz: Dune ist ein Film für die Ewigkeit.

Das vom MCU geprägte Blockbuster-Auge wird staunen, aber sich auch auf ein ungewohntes Filmerlebnis einlassen müssen: Statt im Hochglanz zu erstrahlen, ist die Optik von Dune staubig, dreckig und abgenutzt.

Statt die Leinwand mit unglaubwürdigen CGI-Effekten vollzukleistern, wirken die imposanten Raumschiffe, Städte und Umgebungen natürlich. Statt Schauspieler und Schauspielerinnen in den wenigen, aber umso wirksameren Action-Szenen mit CGI-Figuren auszutauschen, fängt Kameramann Fraser sie mit übersichtlichen Aufnahmen ein.

Chani (Dune)

Statt heldenhafte Musikstücke zu spielen, glänzt Hans Zimmer mit einem spirituell anmutenden Score. Statt die Geschichte im monotonen Rhythmus vorhersehbar zu erzählen, ist sie kompromisslos und voller Überraschungen.

Fazit: Keine Frage, Villeneuves Vision war kaum weniger ambitioniert als einst Jodorowskys, welche nie über die Vorproduktion hinaus ging. Und selbst David Lynch scheiterte bei seiner Version an Produktionsproblemen und fehlender kreativer Freiheit, weswegen er sich bis heute selten zu seinem Film von 1984 äußert.

Fast 30 Jahre später hat Villeneuve nun das Kunststück vollbracht, dem Roman von Frank Herbert die filmische Adaption zu geben, welche die Vorlage verdient hat. Sein Vorteil: Warner Bros. und Legendary stimmten zu, das Epos aufzuteilen und im ersten Film nur etwa die erste Hälfte des ersten Buches zu erzählen.

Sein Nachteil: Ob ein zweiter Teil produziert wird, liegt Stand heute noch in den Sternen und soll vom Erfolg abhängig sein. Da Dune inmitten der Corona-Pandemie in den Kinos startet, könnte es die Verfilmung dementsprechend schwer haben.

Dennoch ist Dune ein Zeichen an alle Produktionsstudios, dass auch hoch budgetierte Filme Anspruch haben können. Ein Gegenstück zum Blockbuster-System, in dem kaum noch eigene Handschriften des Regisseurs zugelassen werden. Ein einzigartiges Kinoerlebnis, das zum einen visuell keine Wünsche offenlässt, zum anderen in der Erzählung wie ein Arthouse-Film wirkt. Kurz: Dune ist ein Film für die Ewigkeit.

Dune ist ab dem 16. September 2021 in deutschen Kinos zu sehen sein.