Neeko (League of Legends)

Online-Videospiele sind den chinesischen Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Doch jetzt erreicht das Vorgehen des Staats gegen das von Staatsmedien als »geistiges Opium« bezeichnete Gaming im Internet eine neue Dimension.

Bislang durften Kinder und Jugendliche in China bis zu 90 Minuten pro Tag und drei Stunden an Feiertagen mit dem Zocken von Online-Games verbringen. Jetzt hat die entsprechende chinesische Regulierungsbehörde diese Dauer auf eine Stunde an Freitagen, Wochenenden und Feiertagen reduziert. Anbieter entsprechender Spiele dürfen betroffene Chinesen an diesen Tagen nur noch zwischen 20 und 21 Uhr Zugang zu ihren Titeln verschaffen.

Chinesische Unternehmen, die Videospiele entwickeln beziehungsweise Online-Games betreiben, müssen außerdem mit verstärkten Kontrollen rechnen. Inspektoren werden prüfen, ob die Firmen die neuen Regularien wirklich umsetzen. Der Konzern Tencent Games (Honor of Kings, League of Legends) hatte zuvor bereits im Juli 2021 angekündigt, per Gesichtserkennung dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche zwischen 22 und 8 Uhr keine Online-Videospiele zocken können.

Die chinesischen Behörden reagieren mit den neuen Regularien auf einen Artikel der Staatszeitung Economic Information Daily, dem zufolge Jugendliche zunehmend eine Sucht nach Online-Spielen entwickeln – mit negativen Folgen für ihre Gesundheit.

Die Reaktionen auf die neuen Beschränkungen fallen gemischt aus: Chinesische Eltern begrüßen die Maßnahmen, wohingegen einige Chinesen auf der Social-Media-Plattform Weibo die Restriktionen als unverhältnismäßig kritisieren. Daniel Ahmad, Branchenexperte und Analyst bei Niko Partners, glaubt, dass die neue Regelung als »restriktivste Entscheidung bislang« den »Großteil der Ausgaben von Minderjährigen [für Online-Games], die ohnehin sehr niedrig waren, auslöschen« werde.