Hologramm (The Callisto Protocol)

Angst ist für mich etwas sehr Persönliches. Außer Kontrolle geraten kann sie meine Handlungen lähmen, Gefühle verfälschen oder zu schlechten Entscheidungen verführen. Nicht umsonst ist Furcht sprichwörtlich ein schlechter Ratgeber.

Ganz anders verhält es sich bei mir mit kontrollierter Angst. Zum Beispiel der Grusel bei einem guten Horrorfilm, einem Stephen-King-Roman oder einem Spiel. Besonders der Deep-Space-Horror hat es mir angetan: Die klassischen Alien-Filme gehören zu meinen ersten Gruselerinnerungen und prägten meine Faszination für Science-Fiction entscheidend. Auch die Spielereihe Dead Space schlägt in diese Kerbe.

Kürzlich wurde genau diese Prägung von dem Trailer eines neuen Spiels wiedererweckt. Es geht um The Callisto Protocol. Das Projekt stammt von dem Kopf hinter Dead Space – und das spürt man im Trailer an jeder Ecke. Schaut am besten selbst, aber Vorsicht: Es wird ganz schon eklig und ist definitiv nichts für schwache Nerven.

Was macht das mit mir, habe ich mich gefragt. Wieso versetzt mich das Szenario so in Angst und Schrecken? Und warum finde ich gerade das so toll? Es scheint ja nicht wenigen Spielern so wie mir zu gehen, an meinem leichten Dachschaden kann es also nicht liegen. Also, nicht nur.

Die treibende Kraft dahinter, warum ich Deep-Space-Horror, also Horrorgeschichten aus den Tiefen des Weltraums, so furchteinflößend finde, ist die Hilflosigkeit, die das Setting transportiert. Stellt euch vor, ihr seid weit weg von der trauten Erde, irgendwo in einer metallischen Raumstation, die – erleuchtet von künstlichem Licht – einsam und verloren in der unendlichen, pechschwarzen Leere des Alls schwebt. Das allein ist schon eine beängstigende Vorstellung.

Zum Wegrennen wird es, wenn es auf dieser Station auch noch außerirdische Kreaturen gibt, die euch heillos überlegen sind und idealerweise aussehen wie der Xenomorph aus Alien (eine riesige, insektenartige Tötungsmaschine mit konzentrierter Säure als Blut) oder die Nekromorphs aus Dead Space (unmenschlich mutierte und extrem aggressive wandelnde Leichen). Da will man wirklich nur noch flüchten, aber im Weltraum fragt man sich zu Recht: Wohin?

Umriss (The Callisto Protocol)

Meisterlich kombinieren die Köpfe des Deep-Space-Horror all diese Elemente. Hinzu kommt, dass oft auch die Technik, der einzige Garant für das Überleben der Menschen im lebensfeindlichen Weltraum, ihren Dienst verweigert.

Aber warum mag ich das so sehr, dass ich das geniale Alien: Isolation schon x-mal installiert, gespielt, schreiend (!) abgebrochen und wieder deinstalliert habe?

In Callisto Protocol ist das schön zu sehen durch die fehlerhafte Holoübertragung und den Roboter, der zuckend im Flur steht und stumpf Kommandos herunterbetet. Auch in Alien stellen die KI-gesteuerten Androiden (genannt Synthetics) eine Gefahr dar. Damit bröckeln auch die letzten Hilfsmittel, welche den armen Menschen im Kampf ums Überleben noch bleiben.

Das ergibt für mich die größtmögliche Hilflosigkeit vor der schlimmstmöglichen Gefahr, die sich ein kreativer Kopf ausdenken kann. Und das jagt mir verdammt große Angst ein! Auf die gute Art. Aber warum mag ich das so sehr, dass ich das geniale Alien: Isolation schon x-mal installiert, gespielt, schreiend (!) abgebrochen und wieder deinstalliert habe? Das ist keine Übertreibung und auch keine rhetorische Frage, ich weiß es wirklich nicht genau.

Vielleicht liegt es an meiner Faszination für alles, was mit dem Weltraum, der Erkundung der Sterne durch den Menschen und den Geheimnissen des Kosmos zu tun hat. Womöglich finde ich das Leben hier unten auf der blauen Kugel durch mein ganzes Gaming inzwischen zu langweilig. Oder ich lote gerne die Grenzen aus, was auch und insbesondere für die Grenzen meiner Wahrnehmung und Gefühlswelt gilt.

Ein Stück weit kommt wohl all das zusammen. Und bedenkt man, dass Sci-Fi-Spiele mit Horror-Faktor all diese Faktoren kombinieren, ist es mir besser möglich, mein persönliches Interesse an The Callisto Protocol zu verstehen.

Ich bin sehr gespannt, wann mehr Infos zu diesem Horrorspiel veröffentlicht werden. Bislang ist lediglich bekannt, dass die Geschichte im Jahr 2320 auf dem Jupitermond Kallisto spielt, wir wie in Dead Space in der Schulterperspektive unterwegs sind und Survival-Horror im Fokus steht.

Als Gefangener im Knast »Black Iron« auf Kallisto müssen wir einen rätselhaften Krankheitsausbruch überleben, hinter die Geheimnisse der Story blicken und dem Trailer nach sowohl gegen eine unbekannte (außerirdische) Bedrohung, die von Menschen Besitz ergreift, als auch gegen außer Kontrolle geratene Sicherheitsroboter kämpfen.

The Callisto Protocol erscheint voraussichtlich 2022 für PC und Konsolen.