Poster (Das Damengambit)

Schach erlebt während der Corona-Pandemie gerade einen Boom – und das macht sich auch auf Netflix bemerkbar: Die Miniserie The Queen’s Gambit (dt.: Das Damengambit) hat einen neuen Rekord als meistgesehene »gescriptete, limitierte Serie« auf Netflix aufgestellt, sprich: Sie ist mit 62 Millionen Zuschauern während der ersten 28 Tage die am meisten geschaute Miniserie des Streaming-Dienstes. The Queen’s Gambit erreichte in 92 Ländern die Top 10 auf Netflix und lag in 63 Ländern auf Platz 1 der Netflix-Charts.

Diese Zahlen sind zwar insofern mit Vorbehalt zu genießen, weil Netflix bereits diejenigen Nutzer als Zuschauer zählt, die einen Inhalt auf der Plattform für mindestens zwei Minuten gestreamt haben, aber der durchschlagende Erfolg von The Queen’s Gambit kann sich trotzdem sehen lassen: Die fiktive Geschichte über das Schach-Wunderkind Elizabeth Harmon kommt nämlich den Rekorden anderer Netflix-Kategorien sehr nahe: Die erste Staffel von The Witcher brachte es innerhalb der ersten 28 Tage nach Release als erfolgreichstes Netflix-Original auf 76 Millionen Zuschauer, während die erfolgreichste Doku Tiger King 64 Millionen Zuschauer im ersten Monat auf sich vereinte.

Der Erfolg von The Queen’s Gambit dürfte unter anderem Corona zu verdanken sein. Peter Friedlander, Netflix’ verantwortlicher Vizepräsident für Originalproduktionen, schrieb in einem Blogbeitrag:

»Vor drei Jahren, als Scott Frank mit der Adaption von ›The Queen’s Gambit‹ zu uns kam […], hielten wir es für eine faszinierende Geschichte. Aber ich glaube, niemand von uns hätte vorhersehen können, dass [die Serie] ein derart großes globales Phänomen hätte werden können, geschweige denn unsere erfolgreichste limitierte, gescriptete Serie.«

Das Damengambit

Netflix veröffentlichte The Queen’s Gambit offenbar genau zum richtigen Zeitpunkt, um vom anhaltenden Schach-Boom während der Pandemie zu profitieren. Online-Schach erfreut sich seit Monaten auf Twitch großer Beliebtheit, was die Szene unter anderem dem US-amerikanischen Großmeister Hikaru Nakamura zu verdanken hat. Nakamura tat sich mit Félix »xQc« Lengyel zusammen, dem derzeit erfolgreichsten Twitch-Streamer, und erschloss eine neue, junge Zielgruppe für das mehr als 1.500 Jahre alte Spiel.

Aber nicht nur The Queen’s Gambit profitiert vom Schach-Boom, sondern auch andersherum: Großmeister Garri Kasparov, der als Berater an der Serie beteiligt war, glaubt, dass die Geschichte von Beth Harmon den Schach-Boom an sich noch verstärken werde:

»Ich glaube, Schach wächst in Amerika und auf der ganzen Welt. Aber ich glaube [auch], dass diese Serie [das Spiel] hervorragend bewerben wird und ich erwarte einen Boom, weil sie dabei hilft, das Bild vom Schachspiel zu widerlegen, dass euch Schach zu einem Nerd macht – oder einfach wahnsinnig. Im Gegenteil, wir sehen, dass Schach Beth Harmon dabei hilft, ihre Schwächen und ihre Sucht zu überwinden. Schach verhilft ihr also zu neuen Höhen […].«

Fest steht: Innerhalb der Schach-Community kommt die Serie sehr gut an, fast schon zu gut. Denn bei der online ausgetragenen Weltmeisterschaft im Schnellschach brachen während des Matches zwischen den beiden Großmeistern Wesley So und Jan-Krzysztof Duda auf Chess.com die Server zusammen. Der Grund: Chess.com hatte während des Matches die neuen Beth-Harmon-Bots veröffentlicht.

Quellen: edition.cnn.com und www.spiegel.de