Verpackung (Nova Luna)

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat einmal gesagt: »Jeder Roman, der mehr als 500 Seiten umfasst, ist schlecht«. In Anlehnung daran könnte man eine Rezension zu Nova Luna so einleiten: Das Spiel ist in weniger als einer Minute aufgebaut, also ist es gut!

Denn: Nichts ist so abtörnend wie die ausufernde Vorbereitung auf eine abendliche Brettspiel-Partie. Spielmaterial auseinanderfriemeln, alles kleinteilig aufbauen, Karten mischen, Plättchen verteilen, schnell nochmal die Regeln nachlesen, allen Beteiligten zum x-ten Mal die Details zur Karte sowieso erklären … Das nervt.

Anders startet man mit Nova Luna. Schachtel öffnen, ein paar Pappteile auf den Tisch legen, Spielsteine verteilen (Pro-Tipp: Diese kann man nach Farben getrennt aufbewahren, spart nochmal 20 Sekunden beim Aufbau!), los geht’s. Der Rest kann bis zum ersten Auffüllen der Plättchen in der Schachtel bleiben.

Nova Luna ist ein Spiel der Autoren Uwe Rosenberg (Bohnanza, Agricola und viele weitere bekannte Spiele) und Corné van Moorsel (Habitats und viele weitere weniger bekannte Spiele). Die beiden haben sich zusammengetan und aus ihren Bestsellern Patchwork (von Rosenberg) und eben jenem Habitats ein gemeinsames Plättchen-Legespiel gebastelt.

Spielszene (Nova Luna)
© Hendrik Breuer

Bei diesem Crossover-Spiel legt man in Anlehnung an Habitats quadratische Plättchen ab. Und zwar so, dass man idealerweise möglichst viele der auf diesen Plättchen abgedruckten Aufgaben erfüllt. Dabei sind die Aufgaben schnell verstanden, etwa so: Das Plättchen muss neben zwei roten und einem gelben Plättchen liegen. Das ist etwas, bei dem man mit Übung auch stetig besser wird, was zu abendlichen Duellen motiviert.

Vom Zwei-Personen-Spiel Patchwork stammt der beliebte Plättchenauswahl-Mechanismus, bei dem immer drei zur Verfügung stehen, die nicht nur unterschiedliche Aufgaben vorgeben, sondern auch unterschiedlich viel »Zeit kosten«.

Das alles ist tatsächlich genauso spannend wie bei Patchwork.

Diese Zeit wird auf einer Mondleiste abgetragen und die auf dieser Leiste jeweils zu hinterst liegende Person ist immer am Zug. Sodass nicht einfach im Uhrzeigersinn gespielt wird, sondern Spieler auch mal zwei, drei Mal hintereinander dran sein können, ein schönes taktisches Element. Und, sieh mal einer an, das alles ist tatsächlich genauso spannend wie bei Patchwork und dem anderen Ableger Patchwork Express. Zudem ist diese Mondleiste bzw. Monduhr, wie sie im Spiel genannt wird, der einzig erkennbare Bezug zum Neumond-Thema, mit dem dieses abstrakte Lege-Spiel versehen wurde. Das sieht nett aus und sorgt für eine heimelige Atmosphäre, hat aber überhaupt keine Spielrelevanz – noch so eine Parallele zu Patchwork.

Anleitung (Nova Luna)

Das ist nicht als versteckte Kritik gemeint, sondern lediglich eine Feststellung, denn Patchwork gefällt mir außerordentlich gut. Vermutlich sogar noch ein bisschen besser als Nova Luna, weil es weniger kleinteilig ist als das Neumond-Spiel und zudem etwas bunter und aufgeweckter daherkommt. Außerdem beschränkt sich die Interaktion zwischen den Spielern bei Nova Luna auf das (meist gar nicht einmal beabsichtigte) Wegschnappen von gerade passenden Plättchen.

Ansonsten spielt man nebeneinander her und kaum miteinander. Die Jury »Spiel des Jahres«, die Nova Luna gerade als eines von drei Spielen für den Preis nominiert hat, drückt es poetischer aus: »In tiefer Meditation versunken sinnieren die Spieler über ihren Plättchen-Auslagen.« Das ist tatsächlich durchaus reizvoll, aber dann auch irgendwie unspektakulär.

Fazit: Für mich ist Nova Luna ein typisches Zwei-Personen-Spiel für erwachsene Pärchen, wenn man bei einem Glas Wein oder Craft Beer noch etwas Ruhiges spielen möchte. Danach geht man dann thematisch passend in die Heia. In einem solchen Setting passt Nova Luna perfekt, mit den Kindern würde ich es aber nicht spielen, dafür ist einfach zu wenig los. Oder wie die Jury sagt:

»Nova Luna kommt ohne große Knalleffekte aus. Stattdessen reduziert es sich auf das Wesentliche.«

Stimmt, und in einem ist es dann doch besser als Patchwork (das in dem stärkeren Spielejahrgang 2014 übrigens nicht zum »Spiel des Jahres« nominiert wurde): Es ist mindestens 30 Sekunden schneller aufgebaut!

Nova Luna von Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel, Edition Spielwiese/Pegasus Spiele, 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, ca. 25 Euro.