Key Art (Xenoblade Chronicles: Definitive Edition)

Die Xeno-Reihe von Tetsuya Takahashis hatte ihren Ursprung schon 1998 mit Xenogears, einem JRPG, das mindestens genauso originell und philosophisch ist, wie der Anime-Klassiker Neon Genesis Evangelion. Ursprünglich hatte man die Geschichte und Welt von Xenoverse sogar für Final Fantasy VII gepitcht. Square (heute Square Enix) empfand die Geschichte jedoch als zu düster, sodass sich ein eigenes Spiel voller biblischer Elemente herauskristallisierte.

Mit Xenosaga für die PlayStation 2 folgte eine dreiteilige Reihe, die nicht nur in ihren Titeln Anspielungen auf Büchern von Friedrich Wilhelm Nietzsche enthält, sondern auch dessen Philosophie.

Das darauffolgende Xenoblade Chronicles wurde hierzulande erstmals 2011 veröffentlicht, ehe zwei weitere Teile folgten. Die Xenoblade-Reihe hat zwar inhaltlich nur noch wenig mit Xenogears und den Xenosaga-Teilen zu tun, ist aber fast genauso abgefahren. Wird die Definitive Edition ihrem Namen 10 Jahre nach dem Original-Release gerecht?

Eine Odyssee auf Titanen

Die Welt von Xenoblade Chronicles ist nicht nur auch heute noch ziemlich originell, sondern auch das Herzstück des Spiels. Denn ihr werdet immer wieder daran erinnert, dass ihr – haltet euch fest – auf einem gestorbenen Titanen unterwegs seid. Vor vielen Jahrzehnten bekämpften sich die beiden Titanen Bionis und Mechonis. Mit voller Wucht trafen sich beide tödlich, sodass sie zeitgleich versteinerten. Soweit, so episch. Über die Jahre siedelte sich auf ihren riesigen Körpern Leben an. Es bildeten sich Zivilisationen, die fortan wie einst die Titanen Krieg gegeneinander führen.

Zum einen leben Gesellschaften wie die menschenartigen Homs und andere organische Lebewesen auf Bionis. Zum anderen bildeten sich auf Mechonis Völker aus Maschinen. Während die Machina unbeteiligt sind, führen die Mechon Tausende Jahre lang einen scheinbar unendlichen Krieg gegen die Homs, als es zur Schlacht im Schwerttal kommt. Dieser wegweisende Krieg wird durch Dunban und sein legendäres Schwert Monado entschieden. Ein Jahr, nachdem es Dunban weitaus mehr Kraft abverlangte, als er imstande war auszuhalten, wurde mit Shulk ein neuer Monado-Besitzer gefunden.

Keine Frage: Die Welt von Xenoblade Chronicles zählt zu den spannendsten JRPG-Welten aller Zeiten.

Als eine der wichtigsten Bezugspersonen Shulks von Mechon getötet wird, beschließt er, Rache zu nehmen. Es beginnt eine Reise quer über den Bionis bis hoch zum Kopf, um sich nicht nur zu rächen, sondern auch zu erfahren, was es mit Shulks Vision und mit der antiken Rasse der Hochentia auf sich hat.

Keine Frage: Die Welt von Xenoblade Chronicles zählt zu den spannendsten JRPG-Welten aller Zeiten. Zu jeder Zeit könnt ihr euch ausmalen, auf welchem Teil des Titans ihr euch gerade befindet. Seien es die gigantischen Steppen auf dem Oberschenkel des Bionis, die verwinkelten Höhlen oder die schneebedeckten Flächen auf dem Weg zum Schwerttal – die Spielwelt ist atemberaubend und lädt allein durch die Optik zum Entdecken ein.

Die Portierung läuft im TV-Modus dynamisch zwischen 504p und 720p, während der Handheld-Modus gerade mal eine Auflösung zwischen 378p und 540p bietet. Ja, die Limitierungen der alten Engine ist hier und da sichtbar. Nichtsdestotrotz können die wunderschönen Landschaften und die Gegner-Designs vor allem in dieser Version so richtig beeindrucken. Schade nur, dass sowohl die meisten Nebenfiguren, als auch die Fetch-Nebenquests so austauschbar präsentiert werden. So ist zwar die Welt üppig, die Motivation, sie zu entdecken, aber nur bedingt groß.

Dafür weiß die Hauptgeschichte nach wie vor zu überzeugen, doch so packend sie auch ist, so stereotypisch wird leider auch ein Großteil der Gruppe dargestellt. Immerhin wurden die Charaktere und Texturen neu designt. Toll: Ihr stattet die Gruppenmitglieder nun nicht mehr nur mit dem jeweils stärksten Kleidungsstück aus, sondern habt auch die Möglichkeit, die Optik jedes Stücks frei nach Geschmack anzupassen. Die Eigenschaften bleiben dabei natürlich erhalten.

Das Schwert der Visionen

Komplett überarbeitet wurde außerdem das Interface. Bedeutet, ihr müsst euch nicht mehr durch zig Menüs wühlen, sondern findet jetzt Statistiken und wichtige Informationen schneller. Damit wurde ein großer Kritikpunkt des Originals behoben, sodass ihr euch nun auch gern auf Kämpfe vorbereitet.

Artwork; Gruppe (Xenoblade Chronicles: Definitive Edition)

Und die haben es in sich! Wie in einem MMORPG werden normale Angriffe automatisch ausgeführt, während ihr über einem ebenfalls überarbeiteten Pop-Up-Menü Spezialangriffe ausführt. Eine Art Mana gibt es hier allerdings nicht, ihr könnt die Spezialangriffe nach der jeweiligen Cooldown-Phase unbegrenzt ausführen. Doch statt einfach nur die mächtigsten Attacken zu starten, ist hier Taktik gefragt. In einem Kettenangriff könnt ihr beispielsweise die jeweiligen Charakter-Eigenschaften nutzen, um Schwächen der Gegner möglichst effektiv auszunutzen. Das Highlight des Kampfsystems ist jedoch Shulks Vision, die ihr dank des Monados nutzen könnt, um einem bevorstehenden Angriff des Gegners zuvorzukommen – wie befriedigend!

Für einige Spieler und Spielerinnen mögen die vielen Systeme und Mechaniken zu überladen, zu komplex sein. Dafür haben die Entwickler von Monolith Soft an Schwierigkeitsmodi gearbeitet. Wer sich überfordert fühlt, hat nun die Möglichkeit, den »Gemütlichen Modus« einzustellen. Das Grinding von Nebenmissionen ist dann aber immer noch ein Muss. Wer Herausforderungen liebt, kann sich an den Expertenmodus wagen, muss dann aber die Erfahrungspunkte manuell vergeben. Da ihr die Punkte nur nach unten korrigieren könnt, heißt es hier: Noch mehr Grinding.

Xenoblade Chronicles ist nach wie vor ein fantastisches JRPG.

Das kann eine ganze Menge Zeit abverlangen, zumal die Switch-Version auch noch einen draufsetzt. Denn mit »Future Connected« wird ein 15-stündiger, neuer Epilog erzählt, der nicht Shulk, sondern Melia, eine der sieben spielbaren Figuren des Originals, in den Fokus rückt.

Fazit: Xenoblade Chronicles ist nach wie vor ein fantastisches JRPG. Mit der dritten Version des Spiels wurden die größten Kritikpunkte des Originals sinnvoll überarbeitet. Die Definitive Edition verbindet nun den TV-Modus der ursprünglichen Wii-Version mit dem portablen Ansatz des New 3DS und ist damit tatsächlich: endgültig

Xenoblade Chronicles: Definitive Edition ist am 29. Mai 2020 für Nintendo Switch erschienen.