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Mit Warner Bros. Games sollte in diesem Jahr frischer Wind auf die E3-Bühne gebracht werden, um neue Projekte wie das Harry Potter-RPG, ein neues Batman-Spiel sowie den kommenden Rocksteady-Titel zu enthüllen. Doch zu solch einer E3-Pressekonferenz wird es nicht kommen.

Doch beginnen wir von vorn. Im Juni sollte die Electronic Entertainment Expo zum 26. Mal stattfinden, um Videospielkultur eine Woche lang zu feiern und nicht nur die Spiele, sondern auch die Hardware der Zukunft zu präsentieren. Dabei sollte gerade 2020 das entscheidende Jahr für die Veranstalter der Entertainment Software Association werden. Denn von Jahr zu Jahr steuerte die Messe immer mehr in eine existenzielle Krise.

2017 öffnete sie ihre Pforten erstmals auch für private Besucher, um attraktiver zu werden. Dies war der erste Schritt einer Neuausrichtung von der bisherigen Business-To-Business-Messe zu einem »Fan, Media and Influencer Festival«. 2019 skippte Sony die Messe zum ersten Mal in der Geschichte der E3. Auch 2020 wollte man der E3 trotz der kommenden PlayStation 5 erneut fernbleiben. Geoff Keighley, der seit Jahren das E3 Coliseum – eine Show aus Interviews und Panels – produziert, sagte mit seiner Produktionsfirma ab, um sich noch mehr »The Game Awards« und der »gamescom Opening Night« widmen zu können. Zuletzt zog sich auch der Kreativ-Partner iam8bit aus der Produktion zurück. Gerüchte rund um Absagen von weiteren Publishern und Partnern folgten. Die E3 hing in den Seilen.

Und nun das K. o.: Aufgrund des COVID-19-Virus wurde die E3 2020 abgesagt:

»Nach langer Beratung mit unseren Mitglieder-Konzernen über Sicherheit und Gesundheit aller Menschen in der Gaming-Industrie – unseren Fans, Arbeitnehmern, Ausstellern und E3-Partnern – haben wir uns entschlossen, die E3 2020 in Los Angeles abzusagen. Nach wachsender Besorgnis über das COVID-19-Virus halten wir dies für den besten Weg, um mit einer derart unvorhersehbaren globalen Krise fertig zu werden. Wir sind sehr enttäuscht, dieses Event für unsere Fans und Unterstützer absagen zu müssen. Aber wir halten es für die richtige Entscheidung im Hinblick auf die aktuelle Lage.«

Aufgrund des COVID-19-Virus wurde die E3 2020 abgesagt.

Nicht nur für die E3 sollte dieses Jahr ein entscheidendes für die Zukunft werden. Mit erstmaligen Hands-On-Möglichkeiten der neuen Hardware wollte man auch die kommende Konsolengeneration einleiten.

Digitale Alternativen

Es wird ein digitales Xbox-Event stattfinden, wie Phil Spencer als Kopf der Xbox Game Studios verkündete, während Ubisoft ebenfalls an einer digitalen Präsentation arbeitet.

Neue Trailer und Ankündigungen präsentiert Nintendo seit Jahren nicht nur im Rahmen der E3, sondern auch in unregelmäßigen Abständen per Nintendo Directs. 2019 nutzte auch Sony Interactive Entertainment erstmals eigene Streams, um in State of Plays Neuigkeiten zu präsentieren. Auch Warner Bros. Games wird über Alternativen nachdenken müssen. Wohin führt das alles?

Keine Frage: Über CGI- und Gameplay-Trailer wird es immer genug zu diskutieren geben und je häufiger Publisher ihre eigenen Streams zeigen, desto schnelllebiger wird die Verwertung. Das Überangebot an Spielen, News und potenziellem Spaß wächst und wächst. Was hingegen mit immer mehr eigenen Streams der Publisher verloren geht, ist die Möglichkeit, sich tiefer mit ihren Titeln auseinanderzusetzen. Natürlich wird sich jeder Gaming-Begeisterte online mit den Ankündigungen beschäftigen. Plattformen werden nach wie vor berichten. Nur wird es weniger um Hands-On-Möglichkeiten gehen, aus denen erste Eindrücke und Erfahrungen präsentiert werden könnten.

Zwar gibt es nach wie vor von Publishern organisierte Messen wie die BlizzCon, QuakeCon oder große Reveal-Events, die nicht nur von eingeladenen Journalisten und Influencern, sondern auch von Fans besucht werden können. Doch je erfolgreicher solche Messen und Events sind, desto weniger Sinn ergibt es für Publisher, die E3 als solch eine Plattform wahrzunehmen. Mit einer »Digitalen E3« könnten sich Publisher zum Einen die immensen E3-Kosten sparen, zum Anderen ließe sich die Art und Weise der Berichterstattung eigener Events und Streams von ihnen besser steuern.

Kleineren Publishern und Entwicklern wird die E3-Präsenz ohnehin fehlen, um auf ihre Titel aufmerksam machen zu können. Große Publisher sind auf die E3 allerdings immer weniger angewiesen.

Als Branchen-Interner sehe ich aber immer weniger Sinn in der bisherigen Form der E3.

Dies soll kein Abgesang auf die E3 sein. Ich selbst bin großer Fan von dieser einen Woche, in der digitale Spielekultur so sehr gefeiert wird, wie in keiner anderen. Als leidenschaftlicher Videospiel-Konsument bricht es mir das Herz. Als Branchen-Interner sehe ich aber immer weniger Sinn in der bisherigen Form der E3.

Und so wird Warner Bros. Games das Harry Potter-RPG, das neue Batman-Spiel sowie den neuen Rocksteady-Titel vielleicht nicht einmal im Rahmen der »Digitalen E3« enthüllen, sondern zu einem anderen Zeitpunkt mit eigenen Reveal-Events. In dem Fall dürften die Kosten der eigentlichen E3-Teilnahme insgesamt zwar wieder eingeholt sein. Doch der Vorteil: Konkurrenten würden zeitgleich nicht zig weitere Trailer veröffentlichen – der Fokus läge einzig und allein auf Warner Bros.’ Neuankündigungen. Goodbye, E3.

Quellen: gamedaily.biz und kotaku.com