Poster (Star Wars: Rise of Skywalker)

Betrachtet man die Trilogie als Ganzes, ist der rote Faden schwer zu finden. Umso bemerkenswerter, wie Abrams das Ganze nach einer solch kontroversen Vorlage zu Ende führt. Die erste halbe Stunde tut sich allerdings noch schwer, den richtigen Weg zu finden: zu viel Exposition, zu viele neue Informationen. Vielleicht aufgrund der Hindernisse in The Last Jedi, vielleicht aber auch einfach, weil hier eben eine ganze Saga zu Ende erzählt werden muss. Manchmal werden in The Rise of the Skywalker kontroverse Szenen aus Episode VIII mit einem Spruch direkt angegangen. Teilweise werden Handlungsbögen und Charakter-Beziehungen aus dem Prequel gar nicht mehr aufgegriffen. Ja, in einigen Fällen sind diese sogar völlig irrelevant für das Finale der Saga. Und das ist gut so. Denn der Film hat ohnehin schon viel zu viel zu erzählen.

In The Rise of Skywalker passiert so viel, dass man sich erst einmal sammeln muss. Zwar werden innerhalb der Handlung eine Menge Fragen – teilweise auch sehr konstruiert – beantwortet, aber ehe man diese großen, entscheidenden Antworten überhaupt reflektieren und wirken lassen kann, befindet man sich schon wieder inmitten der nächsten actiongeladenen Szene. Das Tempo ist extrem hoch. Das hätte mit einer langfristigen Planung aller Handlungsbögen und jenem roten Faden sicherlich anders aussehen können. Dann wären schon in Episode VIII Figuren aufgebaut worden, die im Finale so wichtig für Rey, Finn und/oder Poe werden, nun aber zu kurz kommen. Dann könnte man dort womöglich mehr mitfühlen. Und dann wäre mehr Zeit für ruhige Momente gewesen. So werden uns stattdessen hin und wieder Emotionen vorgespielt, die wir aufgrund fehlender Hintergründe jedoch nicht mitfühlen können.

Rey (Star Wars: Rise of Skywalker)

Hätte es all die neuen Charaktere überhaupt gebraucht, statt sich auf die Gruppe aus Rey, Finn und Poe zu fokussieren? Vermutlich nicht, denn was in Episode IX besonders gut funktioniert, ist die Dynamik zwischen diesem Trio, Chewbacca, C-3PO, R2-D2 & Co. Ich liebe es, wie sie miteinander umgehen, füreinander da sind, zusammen leiden, aber auch rumscherzen. Ja, Humor spielte schon immer eine Rolle in Star Wars. Ich habe in Blockbustern allerdings oftmals ein Problem damit, dass sie sich nicht ernst genug nehmen. Episode IX findet eine bessere Lösung. Denn wie schon Episode VII fokussiert sich der Humor auf die Figuren (vorrangig C-3PO, Finn & Poe), zu denen es passt. Schön zu sehen, dass ernsthafte Szenen und Charaktermomente mal nicht durch eine humorvolle Punchline ruiniert werden. Und anders als in The Last Jedi weiß Abrams hier zumindest, wann auch mal Schluss mit lustig ist.

Warum ich den Film mag? Vermutlich, weil der Haupt-Handlungsstrang rund um Rey und Kylo hier erneut wunderbar funktioniert. Sei es Reys Suche nach ihrem Platz in der Galaxie, Kylos innere Zerrissenheit, die besondere Verbundenheit der beiden oder ihre ähnlichen Probleme. Die beiden sind das Herzstück der neuen Trilogie. Es gibt leider nur einen Moment zwischen ihnen, den es in meinen Augen ganz und gar nicht gebraucht hätte. Von Selbstbewusstsein über Wut, Verzweiflung oder Erleichterung … All das können wir schließlich auch so der Mimik & Gestik von Daisy Ridley und Adam Driver jederzeit nachempfinden. Vor allem Daisy Ridleys Rey ist es, die den Film trägt und als Plädoyer für starke, weibliche Protagonistinnen zu sehen ist – ohne dabei so plump zu sein, wie Captain Marvel, sondern so, wie es vor über 40 Jahren Prinzessin Leia bereits verkörperte. Ruhe in Frieden, Carrie Fisher.

The Rise of Skywalker steuert kompromisslos und konsequent auf ein episches Ende zu. Nur in seinen Entscheidungen auf dem Weg dorthin ist Episode IX nicht immer konsequent genug. Gibt es scheinbare Opfer, kehren diese anschließend schnell wieder zurück. Die emotionale Fallhöhe wird damit immer wieder gebrochen und sobald es keinen Ausweg zu geben scheint, wird dieser im nächsten Moment eben doch fix gefunden – vielleicht ebenfalls eine Schlussfolgerung der negativen Fan-Resonanz auf die konsequente Episode VIII.

Nichtsdestotrotz ist es das intensive Finale, was heraussticht. Weil so viel auf dem Spiel steht. Weil es so viele phänomenale Bilder liefert. Weil es für alles steht, was Star Wars ausmacht. Und weil allerlei bekannte Raumschiffe, alte Gesichter und vor allem Stimmen (!) dieser langen Geschichte sich noch einmal zusammentun, um den Imperator und damit die Sith endgültig auszulöschen.

Millennium Falke (Star Wars: Rise of Skywalker)

Fazit: Was war ich aufgeregt vor dem Film. »Wie kann man diese einflussreiche Saga nur zu Ende bringen?« Es schien unmöglich. Doch Abrams beweist wie in Episode VII, dass er die Essenz vom Krieg der Sterne verstanden hat. Sein Team schafft irgendwie den Spagat zwischen den Gründen, warum wir Star Wars lieben, aber eben auch neuen und mutigen Elementen. Das wird dem ein oder anderen Zuschauer immer noch zu sehr auf Nummer sicher sein, aber mit Episode VIII waren sie eben auch nicht zufrieden. Dann ist es für diejenigen vielleicht Zeit, es einfach sein zu lassen und den Spaß den nächsten Generationen zu überlassen. Fakt ist: Dieser Film konnte niemals allen gerecht werden.

Ja und dann waren da doch in einer ganz bestimmten Szene plötzlich die Tränen, die mir übers Gesicht liefen. Nennt es Fan-Brille, denn natürlich steckt hier eine Menge Fan-Service drin. Nennt es meinetwegen auch eine niedrigere Erwartungshaltung, weil man inzwischen so viel Blockbuster-Schund gewohnt ist. Aber das größtenteils ordentliche Drehbuch, die zwar kurzen, dafür wundervollen Charaktermomente und die atemberaubenden Bilder machen den Film zu einem tollen Finale, das die Skywalker-Saga (endlich) beendet. Ich wollte ein sinnvolles Finale sehen, ich habe ein episches bekommen.

Und dann waren da doch plötzlich die Tränen, die mir übers Gesicht liefen.

Mit The Last Jedi waren Kritiker zufrieden, die Fans aber nicht. Diesmal wird es umgekehrt sein. Dass das bei all dem Hin und Her dieser Trilogie überhaupt möglich ist, kann man kaum dankbar genug anerkennen. Möge die Macht mit Dir sein, J.J.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers ist seit dem 18. Dezember 2019 in deutschen Kinos zu sehen.