Fahne (BlizzCon 2019)

Die BlizzCon 2019 begann anders als sonst – nämlich mit einer Entschuldigung. Vor Beginn der offiziellen Eröffnungszeremonie betrat Blizzard-CEO J. Allen Brack die Bühne und entschuldigte sich bei der eigenen Community. Die Entschuldigung galt dem Hearthstone-Debakel, in dessen Kontext sich Blizzard nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Und sie war absolut überfällig. Aber abgesehen davon wirkte eigentlich die gesamte BlizzCon 2019 wie eine Art Entschuldigung. Eine Entschuldigung an die Fans, die Blizzard während der vergangenen Monate und Jahre immer wieder enttäuscht hatte, etwa mit Diablo III, Diablo Immortal, WoW: Battle for Azeroth, Heroes of the Storm und – je nachdem, welche Fans man fragt – mit diversen anderen Dingen.

Die BlizzCon 2019 stand also ganz im Zeichen von Neuankündigungen, die Fans eine Kehrtwende versprechen, quasi eine Art »Back to the roots«. Diablo IV soll düsterer werden als der Vorgänger und sich wieder mehr an Diablo II orientieren. WoW will mit Shadowlands an Wrath of the Lich King anknüpfen, ein Addon, das unter vielen Fans als eine der besten, wenn nicht gar die beste WoW-Erweiterung überhaupt gilt. Und Overwatch 2 bekommt endlich die PvE-Inhalte, die sich Fans schon für den ersten Teil gewünscht haben.

Aber reicht das aus, um das Kohlenfeuer des Blizzard-Hypetrains aufs Neue zu entfachen? Ich werde mich dieser Frage in meinem BlizzCon-Rückblick widmen, mich dabei aber auf die Spiele konzentrieren, die Blizzard auf der BlizzCon 2019 präsentiert hat. Das Drumherum mit Cosplay, Abschiedszeremonie und Community-Wettbewerben gehört zwar zu jeder BlizzCon dazu, bleibt aber immer stark dem subjektiven Geschmack des einzelnen Zuschauers unterworfen. Deshalb enthalte ich mich diesbezüglich eines Kommentars und widme mich dem, was uns langfristig beschäftigen wird – den Games.

Artwork; Helden (Diablo 4)

»Diablo IV« – Das Böse kehrt zurück

Der Ankündigungstrailer von Diablo IV deutete an, wo die Reise hingeht und spielte zugleich eine der großen Stärken Blizzards aus: Das kalifornische Studio kann Cinematics – und Diablo IV blieb auf der BlizzCon keine Ausnahme. Gleichzeitig bemühte sich Blizzard offenbar um einen besonders dreckigen, düsteren, blutigen und brutalen Look. Es sollen keine Zweifel bleiben, dass Diablo IV dunkler und diabolischer wird als je zuvor.

Die neue alte Dunkelheit erstreckt sich sowohl auf das Artwork und das Design des Spiels, als auch auf Story und Gameplay. Die Entwickler versprechen das Beste aus allen Teilen in Diablo IV zu vereinen und das Gefühl der Diablo-Serie perfekt einzufangen. Allein die Tatsache, dass Blizzard als erste drei Klassen von Diablo IV den Barbar, die Zauberin und den Druiden angekündigt hat – wo letzterer doch keinen Auftritt in Diablo III bekam –, zeigt Blizzards Willen, auf die Wünsche der Fans einzugehen, ebenso wie die Einsichtigkeit der Entwickler.

Der Trailer macht tatsächlich dermaßen Lust auf mehr

Der Gameplay-Trailer bestätigte mit einem ersten Eindruck davon, wie Diablo IV aussehen wird, dass das Spiel sich tatsächlich wieder deutlich mehr am zweiten Teil der Serie orientiert. Die schlammig-bräunlichen Farbtöne heben sich deutlich vom bunteren Look des Vorgängers ab. Der Auswahlbildschirm der spielbaren Klassen bringt die Lagerfeuerszene aus Diablo II zurück. Und der Trailer macht tatsächlich dermaßen Lust auf mehr, dass ich als eher zurückhaltender Diablo-Spieler wirklich ein bisschen gehypt bin – und das will viel heißen.

»WoW: Shadowlands« – Die Rückkehr des Lichkönigs

Auch World of Warcraft kehrt zu seinen Wurzeln zurück. WoW: Classic war anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Warcraft-Franchises und des 15. Geburtstags von WoW bereits Bestandteil dieser Rückbesinnungsstrategie. Doch das neu angekündigte Addon Shadowlands geht noch einen Schritt weiter und bringt einen der beliebtesten Bösewichter der Welt von Warcraft zurück: den Lichkönig. Na ja, ein bisschen zumindest.

Aber der Reihe nach: Erneut beweist Blizzard mit dem Ankündigungstrailer des Addons ihre Fertigkeiten mit Cinematics. Doch der Trailer hält eine Überraschung parat. Anstatt das Sylvanas, nachdem sie Bolvar im Kampf besiegt hat, sich selbst die Krone des Lich Königs aufsetzt, um sich seine Macht einzuverleiben, zerstört sie die Krone – und wir haben erstmals in der Geschichte von Warcraft keinen Lichkönig mehr.

Daraus resultiert unsere Reise in die Shadowlands, das Land der Toten, wo wir vielen alten, mittlerweile verstorbenen Bekannten wieder begegnen. Weil der Ursprung der Shadowlands zeitlich sogar vor der Erschaffung Azeroths durch die Titanen liegt, kehrt Blizzard mit dieser Erweiterung tatsächlich in einem ganz besonderen Maß zu den Anfängen von Warcraft zurück, wenn auch anders als gedacht.

Gleichzeitig konzentriert sich Blizzard mit Shadowlands auf das Wesentliche: Dungeons, Raids, neue Zonen. Voluminöse Features wie die Garnison von Warlords of Draenor, die Inselexpeditionen von Battle for Azeroth oder die Artefaktwaffen von Legion gibt es nicht – vom Tower of Ascension und den Covenants abgesehen, die aber in Sachen Glamour-Faktor nicht mit den genannten Features mithalten können. Ich muss deshalb zugeben, dass mich der Feature-Trailer von Shadowlands nicht besonders vom Hocker gehauen hat.

Allerdings könnte es WoW durchaus guttun, dass Blizzard endlich einmal darauf verzichtet, unbedingt irgendwelche aufregenden Features zu versprechen, die dann am Ende doch nicht so toll werden, wie die Community es sich erhofft. Als langjähriges WoW-Fangirl freue ich mich deshalb trotzdem auf Shadowlands – auch wenn mich die BlizzCon 2019 in dieser Hinsicht etwas underwhelmed zurücklässt.

»Overwatch 2« – Mehr PvE für alle

Gleich vorweg: Ich mag Overwatch, habe es aber weniger intensiv gespielt als WoW oder die Diablo-Serie. Das Gerücht, dass Blizzard auf der BlizzCon 2019 ein Overwatch 2 ankündigen würde, versetzte mich also in gespannte Erwartung, aber nicht in Ekstase. Dementsprechend erging es mir dann auch, als Blizzard tatsächlich den Ankündigungstrailer für Overwatch 2 während der Eröffnungszeremonie der BlizzCon 2019 abspielte.

Der Trailer bot Fans der Franchise ein Action-Feuerwerk mit jeder Menge Klischee-Story und Pathos inklusive gewohnter Overwatch-Kost. Blizzard präsentierte mit Overwatch 2 dann auch eine Fortsetzung des Bewährten anstatt einer Neuinterpretation – und blieb dem Prinzip der BlizzCon 2019 treu, demzufolge die Entwickler jetzt lieber bewährte Systeme erweitern, anstatt riskante Neuerungen einzuführen, die Fans enttäuschen oder verärgern könnten. Blizzard geht auf Nummer sicher, auch bei Overwatch.

Die Story-Missionen gab es in Overwatch zwar nicht, allerdings wünschen sich Fans eine Kampagne seit Langem. Blizzard geht also kein Risiko ein, wenn sie entsprechende PvE-Inhalte einführen, im Gegenteil. Die Möglichkeit, Talente und Fähigkeiten, der eigenen Spielweise anzupassen, bietet Fans ein flexibleres Spielerlebnis und bleibt trotzdem dem treu, was Overwatch ausmacht.

Overwatch wirkte auf mich insgesamt deshalb eher wie eine Art Overwatch 1.5 und nicht wie ein komplett neues Spiel. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Schließlich könnte Blizzard mit den neuen PvE-Inhalten eine neue Zielgruppe für ihren Shooter erschließen.

Fazit – Die beste BlizzCon aller Zeiten?

Ich hatte hohe Erwartungen an die BlizzCon 2019 – aber mir war von vornherein klar, dass die Messe nicht mehr die Begeisterung entfachen kann, wie das früher einmal der Fall war. Damals, als ich mich mit ungesundem Fast Food und Energiedrinks eingedeckt vor dem heimischen PC eingefunden und voller Vorfreude zwei Nächte nacheinander mit dem Virtual Ticket um die Ohren geschlagen habe.

Die BlizzCon 2019 hat definitiv Boden für Blizzard gutgemacht

Jetzt kann ich zumindest sagen, dass die BlizzCon 2019 mich überrascht hat – sowohl positiv (Diablo IV) als auch negativ (WoW: Shadowlands). Aber für mich war es nicht die beste BlizzCon aller Zeiten. Das hätte sie auch nie sein können, einfach weil Games generell nicht mehr das Maß an Hype bei mir erzeugen wie es vor Jahren noch der Fall war. Der Vergleich der BlizzCon 2019 mit früheren BlizzCons ist von meiner Warte aus betrachtet also eigentlich ziemlich unfair.

Trotzdem oder vielleicht auch deshalb: Die BlizzCon 2019 hat definitiv Boden für Blizzard gutgemacht. Jetzt müssen die einzelnen Entwicklerteams in den kommenden Monaten und Jahren beweisen, dass sie nicht nur leere Versprechungen äußern, sondern das Credo der Ergebenheit gegenüber ihrer Community auch wirklich wahr machen können.