Key Art (Call of Duty: Modern Warfare)
»Call of Duty: Modern Warfare« ist am 25. Oktober 2019 für PC, PlayStation 4 sowie Xbox One erschienen

Wieder mit Kampagne, die zwar kurz ist, aber dafür umso schockierender inszeniert: Der neue Ego-Shooter Call of Duty: Modern Warfare besinnt sich auf alte Stärken der Serie und wird dabei zu einem Rundum-Wohlfühl-Trip in die bitter gezeichnete und aus Spielersicht faszinierende (Spiel-)Welt der modernen Kriegsführung.

Mit einem durch jahrelange Iteration nahezu perfektionierten, aber auch gesundgeschrumpften Multiplayer-Part und einem Koop-Modus namens Spec Ops, für den die Story-Kampagne wiederum die Vorgeschichte erzählt, schnürt Entwickler Infinity Ward ein saftiges Traumpaket für geneigte Shooter-Fans. Mit schicker Optik und gut integrierten Raytracing-Features.

Unser Test stellt euch die drei Bausteine von CoD MW vor – Story, Koop sowie Multiplayer – und erklärt, was sie besonders macht. Außerdem gehen wir zum Schluss noch auf Activisions Versprechen ein, das Spiel mit transparenten und fairen Monetarisierungssystemen zu versehen. Etwas, das nicht zum ersten Mal versprochen wurde, dieses Mal aber vehementer kommuniziert wird.

Die Story-Kampagne

Call of Duty schockiert gerne, löst gerne Kontroversen aus, bereichert damit für manche die Debatte um Krieg und Gewalt, befeuert sie für andere. Die Rechnung geht jedoch immer auf: Jedes neue Call of Duty ist bereits Monate vor Release in aller Munde, wird hitzig diskutiert und kann zwei Wochen nach Release die ersten Verkaufsrekorde vermelden.

Call of Duty: Modern Warfare bringt nach der Story-Absenz des Vorgängers wieder eine richtige Geschichte und lässt uns in einer mit 5 bis 8 Stunden Spielzeit kurzen, aber auch schockierenden und durchgehend sehr unterhaltsamen Story-Kampagne antreten.

Special Ops (Call of Duty: Modern Warfare)

Für mich persönlich ist das Spiel ein durchchoreografierter interaktiver Blockbuster

Die Geschichte handelt von einem Konflikt im fiktiven Land Urzikstan. Ein abtrünniger russischen General und ein skrupelloser Guerillachef treiben ihr Unwesen. Schließlich schwappt der Konflikt sogar nach London über. Der Special Air Service (SAS) übernimmt. Ein Level beginnt völlig unmittelbar, als wir mit unserer Einheit versuchen, einen verdächtigen Lastwagen am berühmten Piccadilly Circus in der Londoner Innenstadt zu stoppen. Mit der Explosion der Bombe beginnt dann eine Mission, in der wir selten gefährliche Terroristen von fliehenden Zivilisten unterscheiden können. Da haben wir regelrecht Angst, zu schießen – und das ist spielerisch überzeugend umgesetzt.

Das muss indes nicht jedem gefallen, schließlich bedient CoD MW Themen, für die nicht jeder im Medium Computerspiel das geeignete Format erkennt. Für mich persönlich ist das Spiel ein durchchoreografierter interaktiver Blockbuster, wie er auch im Kino laufen könnte.

Weitere Missionen führen uns durch das Nahost-Land Urzikstan – wir erleben mal Häuserkampf aus der Sicht amerikanischer Soldaten, mal blicken wir durch die Augen eines kleinen Mädchens, das einen Giftgasangriff überstehen muss. Oft erschreckend, bedrückend und grenzwertig, öfter aber spektakulär, bombastisch und hoch spannend. CoD MW spult in seiner Story-Kampagne das ganze Spektrum menschlicher Emotionen ab und trifft damit ziemlich ins Schwarze, was die Kurzweil betrifft. Und hey, der beliebte Captain Price ist wieder dabei!

Der Koop-Modus

Die Story-Kampagne von Call of Duty: Modern Warfare erzählt die Vorgeschichte, der Koop-Modus Spezialeinheit (Spec Ops) führt den Faden weiter.

Die Koop-Level sind weitläufige Gebiete und erproben euer Kampfgeschick mit massenweise KI-Gegnern und einer Reihe von Einsatzzielen wie dem Sammeln von Infos. Zusammen mit drei Mitspielern bewegen wir uns also durch die Karten und ziehen alle Register, um unsere Mission zu erfüllen. Ein ungewöhnlicher Ansatz für ein Call of Duty, das in früheren Ablegern nur im Zombie-Modus auf echten 4er-Koop setzte.

Getarnter Schütze (Call of Duty: Modern Warfare)

Der Spezialeinheit-Modus funktioniert prima als Ergänzung zur Story und Spieler, die dem Multiplayer weniger aufgeschlossen gegenüberstehen, können dem Modus viele spannende und actionreiche Stunden mit Freunden entlocken. Auf Dauer können sich die vier Operationen, die aktuell im Spiel enthalten sind, aber schnell abnutzen. Der Koop ist also eher eine nette Dreingabe.

Das große Highlight von CoD MW ist der klassische Multiplayer-Teil, der an nahezu jedem Ansatzpunkt überzeugen kann.

Der Multiplayer

Dieser Test reicht bei weitem nicht aus, um alle Aspekte der zahlreichen Multiplayer-Modi zu beleuchten. Fangen wir an, indem wir ein paar Spielvarianten nennen:

Klassisches Team Deathmatch: Zwei Teams zu 6 Spielern kämpfen um Kills. Wer am Ende der Runde die meisten erzielt hat, gewinnt die Partie.

Nachtkarten: Stockdunkel und mit grüner Nachtsicht gehen wir im Team Deathmatch auf die Lauer. Dabei können wir wegen der Apparatur auf dem Kopf nicht über Visierung zielen, sondern nutzen unseren Laser-Pointer.

Waffengefuehl (Call of Duty: Modern Warfare)

Feuergefecht: Kurze, hoch taktische 2v2-Runden auf kompakten Karten, bei denen das schlauere Team am Ende die Nase vorn hat.

Bodenkrieg: Großangelegte 32v32-Schlachten, die an die Battlefield-Reihe erinnern. Hier nutzt ihr Fahrzeuge im Gefecht und erobert Flaggenpunkte. Obwohl meist Chaos vor Taktik herrscht, bleibt der Modus mit den für ein Call of Duty enormen Ausmaßen ein Hingucker.

Damit sind nur einige der unterschiedlichen Spielweisen genannt, die der Multiplayer-Part von CoD Modern Warfare bereithält. Später rotieren auch neue Modi in die Liste der spielbaren Varianten. Aber macht das alles Spaß? Ja, fast alles! Warum? Wegen einiger besonderer Merkmale:

Die Waffenhandhabung und das Spielgefühl sind herausragend: Infinity Ward hat viele Ressourcen in die Waffen des neuesten CoD investiert, das merkt man an jeder Ecke. CoD MW liefert das wuchtigste und authentischste Waffengefühl, das mit persönlich je untergekommen ist. Außerdem sind die Waffen nun spürbar schwieriger in der Handhabung und haben ein vordefiniertes Rückstoßmuster, was den kompetitiven Anspruch erhöht.

Neben den detaillierten und realistisch wirkenden Animationen unserer Spielfigur trägt zum tollen Gunplay-Gefühl vor allem das Sounddesign bei. Schüsse knallen druckvoll, nach Explosionen klingeln uns die virtuellen Ohren und alle Geräusche lassen sich punktgenau orten, wodurch wir uns gut akustisch orientieren können.

Wir modifizieren unsere Waffen im umfangreichen Waffenschmied-Feature nach unseren Vorstellungen. Daraus ergeben sich unterschiedliche taktische Optionen, da die Modifikationen spielerische Vor- und Nachteile mitbringen.

Anpassung von Waffen (Call of Duty: Modern Warfare)

Bei den Maps von CoD Modern Warfare wirft Infinity Ward das alte 3-Lanes-Prinzip über Bord und bringt asymmetrische Karten, die weitaus realistischer wirken und ebenfalls taktische Vor- und Nachteile bieten.

So können wir uns an bestimmten Positionen leichter verschanzen, während andere Stellen schwieriger zu halten sind. Damit erstreckt sich der taktische Anspruch endlich auch spürbar auf die geografischen Features.

Insgesamt ist Call of Duty: Modern Warfare deutlich realistischer als der Vorgänger Black Ops 4, was nicht nur am Setting liegt. Die Zeit, bis wir durch Treffer das Zeitliche segnen, ist erheblich verkürzt. Das erhöht die Gefahr bei unbedachten Run&Gun-Manövern und forciert planvolleres Vorgehen.

»Call of Duty: Modern Warfare« schafft im Mehrspieler den schwierigen Spagat zwischen Realismus und Unterhaltung – mit Bravour!

Das Spiel wurde gerade recht gesundgeschrumpft – vorbei die Zeiten, in denen wir gefühlt ein ganzes Magazin in einen Gegner schießen mussten. In CoD MW reicht oft ein wohlplatzierter Treffer, um unserem Gegenüber virtuell des Garaus zu machen.

Insgesamt bietet der Multiplayer-Modus ein umfangreiches und äußerst unterhaltsames Paket für Puristen, die ein authentisches Kriegsspiel möchten, aber denen Militär-Simulationen wie Arma 3 oder Squad einfach ein wenig zu trocken sind. CoD MW schafft im Mehrspieler den schwierigen Spagat zwischen Realismus und Unterhaltung – mit Bravour!

Einziger Kritikpunkt am Multiplayer bleibt die noch nicht völlig zufriedenstellende Balance der Waffen. So folgten kurz nach Release zahlreiche Beschwerden von Spielern, welche die 725-Schrotflinte und die Claymore-Sprengfalle als bei weitem zu stark empfanden. Infinity Ward hat bereits erklärt, das Spiel im kommenden Patch stellenweise neu auszubalancieren.

Fazit & Mahnung

Ihr dürftet es inzwischen herausgelesen haben: Als alter Multiplayer-Shooter-Spieler bin ich ziemlich begeistert von Call of Duty: Modern Warfare. Es ist eigentlich sogar das Spiel, das ich mir über die Jahre gewünscht habe, ohne wirklich daran geglaubt zu haben, dass CoD so etwas noch leisten kann.

Ich bin mit Titeln wie CS, Insurgency: Sandstorm oder Escape from Tarkov firm geworden und habe nun das Gefühl, in CoD MW die bisher beste und rundeste Umsetzung eines bewaffneten Krisenszenarios zu spielen. Wenn mir da nicht meine Erfahrung böse Bedenken ins Gedächtnis treiben würde.

Die bisher beste und rundeste Umsetzung eines bewaffneten Krisenszenarios

Publisher Activision hatte bei früheren Teilen der Serie nämlich die unschöne Angewohnheit, das Spiel erst komplett ohne Mikrotransaktionen auf den Markt zu bringen. Dann, Stück für Stück, im Laufe der folgenden Monate, wurden teils unfaire Mechaniken eingebaut. So konnte man im Vorgänger Black Ops 4 einige starke Waffen in Lootboxen finden – zu verschwindend geringen Chancen. Das ist Pay2Win in seiner schlimmsten Form.

Das hat auch die Community auf die Palme gebracht. Dieses Mal, bei CoD MW, soll hingegen alles besser werden. Activision hat Fehler eingestanden und offiziell erklärt: Schluss mit Lootboxen! Stattdessen sollen kosmetische Items per Season Pass und Echtgeld-Shop verkauft werden.

Wir werden abwarten müssen, wie sich das alles ausformt. Bleiben die kaufbaren Items kosmetisch und lassen sich Items mit Einfluss auf die Spielbalance ausschließlich per Gameplay freischalten, dürften CoD MW und seiner Community rosige Zeiten bevorstehen. So lange bleibe ich – unabhängig von der hohen Qualität des eigentlichen Spiels – zumindest skeptisch, aber auch vorsichtig hoffnungsvoll.

Call of Duty: Modern Warfare ist am 25. Oktober 2019 für PC, PlayStation 4 sowie Xbox One erschienen.