Key Art (Borderlands 2 VR)

Der 20. Oktober 2009 gilt als Geburtsstunde von Borderlands, wobei das eigentlich nicht so ganz korrekt ist. Zwar wurde das Spiel am 20.10.09 veröffentlicht, aber geboren wurde es bereits Jahre vorher in den Köpfen der Entwickler von Gearbox Software. Studio-Chef Randy Pitchford versuchte schon 1997 mit Prax War 2018 frischen Wind ins Shooter-Genre zu bringen, doch leider wurde das ambitionierte Projekt von Publisher Electronic Arts eingestellt. 2005 konnten sie mit Brothers in Arms einen außergewöhnlichen WWII-Shooter abliefern, der sich eher auf taktische Elemente fokussierte und weniger auf eine genretypische Point-&-Shoot-Mechanik.

Mit Borderlands entfernte sich Gearbox Software noch weiter von den ausgetretenen Pfaden, denn es unterschied sich nicht nur spielerisch von den meisten Hit-Titeln, sondern es war auch visuell einzigartig. Während Millionenseller wie Call of Duty und Battlefield auf immer mehr Realismus setzten, zelebrierte Borderlands einen sehr comichaften Cel-Shading-Look. Ganz schön gewagt, wenn man bedenkt, dass Ubisoft bereits 2003 mit dem Cel-Shading-Shooter XIII ziemlich auf die Schnauze fiel.

In einem Destructoid-Interview verriet Pitchford einige Wochen vor der Veröffentlichung von Borderlands:

»Es ist anders. Es ist ein Shooter und enthält Rollenspielzeugs. Immer wenn man etwas Neues macht, schwingt eine gewisse Angst mit. Witzigerweise haben wir im Rahmen der E3 diverse Best-of-Show-Awards erhalten, aber die einen hielten Borderlands für den besten Shooter und die anderen bezeichneten unser Game als das beste Rollenspiel.«

Darum geht es in »Borderlands«

Die Geschichte von Borderlands beginnt mit den Eridianern. Eine uralte Alien-Rasse, die beinahe komplett ausgelöscht wurde und ihre Technologie in sogenannten Vaults in der gesamten Galaxis versteckt hat. Um diese Gewölbe vor unbefugten Eindringlingen zu beschützen, wurden mächtige Wächter erschaffen. Etwa 1 Million Jahre später erfahren gierige Konzerne und zwielichtige Gesellen von diesen Vaults und so beginnt eine Art galaktischer Goldrausch, der selbst die entlegensten Grenzgebiete infiziert. Damit wären wir auch schon bei der Entdeckung des Planeten Pandora, der besonders viele Reichtümer birgt und von Konzernen wie Dahl oder Atlas kolonialisiert wird.

Pandora (Borderlands 2)
Der Wüstenplaneten Pandora

Als sich die Firmen wieder vom Acker machen, regieren Chaos und Anarchie auf Pandora. Dahl-Wissenschaftlerin Patricia Tannis entdeckt Hinweise auf einen Kammerschlüssel, der Zugang zu unbeschreiblichen Reichtümern verspricht. Ungefähr zur selben Zeit verursacht Dahl-Colonel Zarpedon mit ihren Mining-Aktivitäten auf dem Pandora-Mond Elpis eine Katastrophe, die einen großen Teil der Oberfläche zerstört. Zarpedon und ihr Team entdecken etwas in der Elpis-Kammer, das sie dazu bewegt, Dahl zu verlassen und The Lost Legion zu gründen. Diese Gruppierung macht es sich zur obersten Priorität, den Inhalt der Kammer, um jeden Preis zu beschützen.

Dass sich »Borderlands« selbst nicht zu ernst nimmt, ist sicher eines der Erfolgsgeheimnisse

Legenden ranken sich um die Reichtümer und Geheimnisse der Vaults und das zieht natürlich jede Menge Vault-Hunter (Kammerjäger) an. Zu diesen gehören auch Lillith, Mordecai, Brick, und Roland, die den Borderlands-Spielern so sehr ans Herz gewachsen sind. Der Rest der Geschichte handelt im Endeffekt von den Bemühungen unterschiedlicher Fraktionen, in die sagenumwobenen Kammern zu gelangen, beziehungsweise vom Versuch, sie davon abzuhalten. Schließlich geht es hier nicht um schnöde Schatzkammern, sondern um mystische Orte, denen eine unbeschreibliche Macht innewohnt. Wo wir schon mal dabei sind: Story und Erzählweise heben Borderlands ebenfalls von der Masse ab, denn eigentlich klingt die Geschichte ziemlich bedrohlich und episch, doch sie wird auf eine sehr lockere Art erzählt. Dass sich Borderlands selbst nicht zu ernst nimmt, ist sicher eines der Erfolgsgeheimnisse.

Turbulente Erfolgsgeschichte

Borderlands 1 wurde von Kritikern sowie den Spielern ziemlich gelobt und Borderlands 2 regelrecht gefeiert. Borderlands: The Pre-Sequel konnte dieses Level der Begeisterung nicht ansatzweise erreichen, dafür gab es für den Ausflug ins Adventure-Genre Tales from the Borderlands viele positive Stimmen. Mit Borderlands 3 erreicht der Erfolg der Serie definitiv den vorläufigen Höhepunkt. Die PC-Version konnte sogar den Vorbesteller-Rekord im Epic Games Store knacken, wobei nur wenige Spieler glücklich darüber sind, dass Borderlands 3 auf keiner anderen digitalen Vertriebsplattform für PC-Spiele angeboten werden darf. Manche bringen ihren Ärger zum Ausdruck, indem sie sie die Vorgängerspiele auf Steam mit negativen Kritiken bombardieren.

Artwork (Tales from the Borderlands)
Das Adventure »Tales From The Borderlands« besteht aus insgesamt fünf Episoden

Das ist aber nicht das erste Mal, dass es im Hintergrund gewaltig kracht.

Zum Beispiel gab es einen unangenehmen Rechtsstreit zwischen Gearbox-CEO Randy Pitchford und Wade Callender, dem ehemaligen Anwalt des Unternehmens. Unter anderem ging es um Betrug und den angeblichen Besitz pornografischem Videomaterials mit »Minderjährigen«. Pitchford bestätigt zwar den Besitz von Pornografie, allerdings leugnete er, dass es sich um Inhalte mit Minderjährigen handelte. Am 3. Oktober 2019 gaben beide Seiten bekannt, dass die Klage eingestellt wurde. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es:

»Nach Prüfung aller Beweise in diesem Fall war der Anwalt der Ansicht, dass die Beweise Randy Pitchford von den Anschuldigungen gegen ihn entbunden haben. Alle Missverständnisse zwischen den Parteien wurden korrigiert und Entschuldigungen ausgesprochen.«

Dann wäre da noch der Fall eines YouTubers, der dank Gearbox Software und Publisher Take-Two von Privatschnüfflern belästigt wurde, weil er ein paar Schnipsel aus einem Borderlands 3-Leak verwendet hat. Für ziemlichen Aufruhr sorgte auch der Vorwurf des früheren Claptrap-Synchronsprechers David Eggings, der für Borderlands 3 durch einen anderen Sprecher ersetzt wurde. Randy Pitchford habe ihn beleidigt, auf Twitter gestalkt und während der GDC 2017 in einer Hotel-Lobby körperlich angegriffen.

Auch Troy Baker, der Sprecher von Rhys, hatte so seine Probleme mit Randy Pitchford. Der Gearbox-CEO behauptete nämlich, dass Troy kein Interesse daran habe, an Borderlands 3 mitzuwirken. Wie sich herausstellte, war das aber nicht die ganze Wahrheit, denn in Wirklichkeit wollte Gearbox nicht mehr mit dem Synchronsprecher zusammenarbeiten, weil er Gewerkschaftsmitglied ist. Man könnte also sagen, dass Randy Pitchford ein ziemlich krasser Typ ist, schließlich hat er im Laufe seiner Karriere viele kontroverse Statements vom Stapel gelassen und ebenso viele Shitstorms verursacht. Wie heißt es doch so schön? Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

Quellen: kotaku.com, mein-mmo.de, twitter.com und www.unseen64.net