Dr. Mario
Digitales Doping: Wall-Hacks, Aim-Bots, Map-Hacks und Co. sind besonders bei kompetitiven Spielen ein großes Problem

Man sollte nicht alle Cheater in einen Topf werfen. Beispielsweise gibt es Betrüger, die sich in Multiplayer-Titeln einen Vorteil verschaffen und die sollen von mir aus in der Hölle schmoren. Es zeugt von einem miesen Charakter, wenn jemand Online-Shooter mit Wall-Hack und Aim-Bot bestreitet. Wenn sich mein Cheat auf andere Spieler auswirkt, dann ist das unentschuldbar. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. NBA Jam-Duelle mit Big-Head-Cheat gehörten früher zum guten Ton.)

Solange man im stillen Kämmerlein cheatet, um die Einzelspielerfahrung zu manipulieren, sehe ich kein Problem. Erinnert ihr euch noch an die Tastenfolge »ABACABB«? Damit ließ sich in der Mega-Drive-Version von Mortal Kombat das Blut aktivieren. Ohne diesen Cheat hätte das Spiel nur halb so viel Spaß gemacht. In Konamis International Superstar Soccer gab es wiederum einen Code, der die Schiedsrichter in Hunde verwandelt. Das war völlig bescheuert und genau deswegen so witzig. Warum gibt es so etwas in heutigen Spielen kaum noch?

Wenn sich mein Cheat auf andere Spieler auswirkt, dann ist das unentschuldbar

Level-Skip- oder God-Mode-Cheats interessieren mich nicht wirklich, da Zocken ohne Herausforderung langweilig ist. Ich nutze Cheats vor allem, um nervige Restriktionen zu umgehen. Beispielsweise ging mir das Item-Limit in Fallout 4 tierisch auf den Zeiger. Ich war ständig damit beschäftigt, zu irgendwelchen Kisten am anderen Ende der Map zu reisen, um meine Hosentaschen zu entleeren. Ähnlich unangenehm ist das Reinigen der Waffen in Metro Exodus. Um Ladehemmungen zu verhindern und die Effektivität meiner Wummen zu gewährleisten, muss ich immer wieder Werkbänke aufsuchen. Per Trainer/Mod/Konsolenbefehl lassen sich solche Ärgernisse in wenigen Sekunden entschärfen.

Früher gab es viele Cheats, mit denen sich die Kostümfarben ändern oder besondere Waffen freischalten ließen. Heute gibt's das quasi nur noch in Form von kostenpflichtigen DLCs. Genau das dürfte der Hauptgrund für den schleichenden Tod der klassischen Cheat-Codes sein. Warum sollte man es Spielern erlauben, bestimmte Items, Waffen oder Kostüme per Cheat-Code freizuschalten, wenn man dafür auch Geld verlangen kann? Im Remake von Resident Evil 2 kann man Bonus-Inhalte wie Kostüme, Waffen und vieles mehr freispielen oder für 4,99 EUR kaufen. Unlock per Cheat-Code? Fehlanzeige. Wenn ich mich richtig erinnere, begann diese Unsitte mit dem Horror-Shooter Clive Barker's Jericho. Damals (2007) war ich richtig sauer, weil man für die In-Game-Cheats schamlos zur Kasse gebeten wurde.

Wege aus der Misere

PC-Spieler behelfen sich mit sogenannter Trainer-Software, aber Konsoleros müssen mehr Aufwand betreiben, ihre Spielstände am PC oder Mac manipulieren und per USB-Stick transferieren. Systeme wie Xploder nutzen ebenfalls diesen Umweg und bieten zusätzlich umfangreiche Cheat-Datenbanken. Problem: Das Ganze funktioniert nicht immer und gerade Spiele mit Online-Anbindung machen gerne Probleme. Deshalb wundert es mich nicht, dass der Xploder seit 31.12.2018 nicht mehr offiziell verkauft wird. Man findet aber noch Restbestände bei zahlreichen Händlern.

Elza-Walker-Kostüm (Resident Evil 2)

Warum sollte man es Spielern erlauben, bestimmte Items, Waffen oder Kostüme per Cheat-Code freizuschalten, wenn man dafür auch Geld verlangen kann?

Wie bereits erwähnt, haben es PC-Cheater deutlich einfacher. Zahlreiche Portale bieten kostenlose Trainer-Software an, allerdings fangen sich vor allem Laien immer wieder Schadsoftware ein, weil sie zwielichtigen Quellen vertrauen. Außerdem verliert man schnell den Überblick, wenn mehrere Games simultan gezockt werden und diese, auch noch regelmäßige Updates erhalten. Hier kommen kostenpflichtige Anbieter wie MegaDev oder Cheat Happens ins Spiel. Ich habe beide Dienste getestet und bin hin- und hergerissen. Wirklich perfekt ist keines der Systeme, denn es gibt jeweils Vor- und Nachteile.

Der MegaTrainer von MegaDev ist ein superkomfortables Tool. Ihr müsst keine einzelnen Trainer herunterladen, weil alles direkt über die Client-Software läuft. Ihr könnt eure Spiele sogar direkt über den Client starten. Das Ding ist sehr übersichtlich und flott, allerdings kam es während meines Testlaufs manchmal vor, dass Cheats nicht sofort zum Release eines bestimmten Titels verfügbar waren. Im Fall von Ace Combat 7 dauerte es drei Tage, bis der entsprechende Trainer veröffentlicht wurde. Außerdem bieten die Trainer von Cheat Happens in der Regel mehr Funktionen und mehr »Tiefe«. Gerade Games, die eine Vielzahl von Spielerattributen und eine gewisse Item-Vielfalt bieten, profitieren davon. Die Qualität der einzelnen Trainer ist also bei Cheat Happens höher, dafür müssen sie einzeln heruntergeladen werden.

Komfort vs. Funktionalität

MegaTrainer ist quasi eine simplere und deutlich komfortablere Plug&Play-Lösung in deutscher Sprache, während das englischsprachige Cheat Happens mehr Möglichkeiten bietet. Eine Premium-Jahresmitgliedschaft kostet bei Cheat Happens 39,95 US-Dollar und das Goldkonto von MegaTrainer gibt’s für 40 EUR. Bronze- und Silber-Konten sind zwar günstiger, bieten aber nur beschränkten Zugriff auf die Trainer-Datenbank. Wer gerne eigene Trainer bastelt, lädt bei Cheat Happens zusätzlich das CoSMOS-Tool.

Fazit: Viele Gamer verteufeln Cheats und Trainer-Software, weil sie das Thema nicht differenziert genug betrachten. So lange sich Cheater keine Trophäen/Achievements erschleichen oder Multiplayer-Battles dominieren, sollte man das Ganze aber nicht so eng sehen. Am Ende des Tages sind wir Cheater auch nur Menschen!