Logo (Google Stadia)
Das Stadia-Logo passt nicht unbedingt zu der restlichen Google-Produktpalette

Was soll der Begriff Stadia eigentlich bedeuten? Es ist ein Plural des englischen Begriffs »Stadium«. Google möchte nicht, dass nur in einem einzigen Stadion, sondern in ganz vielen Stadien auf der ganzen Welt gespielt wird. Außerdem gibt es ein gleichnamiges Messverfahren, bei dem zwei Instrumente aufeinander ausgerichtet werden, um Distanz, Lage und Höhe bestimmen zu können (oder so ähnlich). Könnte ebenfalls etwas mit der Namensgebung zu tun haben, da bei Stadia ja auch zwei Geräte zusammenarbeiten. Letzteres ist aber nur eine Vermutung, die mich smart erscheinen lässt.

Stadia ist keine krasse Innovation und funktioniert im Endeffekt wie alle anderen Game-Streaming-Dienste. Die Spiele laufen auf den Google-Servern, die das Bild dann über den Chrome-Browser an unsere Endgeräte schicken. Dabei ist es völlig egal, ob wir vor dem PC, TV, Tablet oder Smartphone sitzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Selbst leistungshungrige und grafisch anspruchsvolle Titel lassen sich auf Popel-Hardware spielen. Weiterhin ist keine Installation und somit auch nicht viel Speicherplatz nötig. Es müssen keine großen Patches mehr heruntergeladen und installiert werden. Google verspricht außerdem, dass sämtliche Spiele in echter 4K-Auflösung mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde laufen werden.

Enormes Potenzial

Was unterscheidet Stadia von bereits bestehenden Anbietern wie GeForce Now, PlayStation Now und Shadow? Google hat unendlich viel Kohle und kein Problem damit, Milliarden in so einem Projekt zu versenken. Was aber noch viel wichtiger ist: Google besitzt YouTube und dort tummeln sich täglich rund 200 Millionen Gaming-Fans. Heute sitzen sie passiv vor dem Screen, um sich Let's Plays ihrer Lieblings-YouTuber anzugucken und gegebenenfalls ein paar Kommentare abzufeuern. Mit Stadia können sie aber aktiv mitspielen und laut Google soll ein einziger Klick genügen, um sich binnen fünf Sekunden ins Game zu katapultieren.

Ebenso interessant klingt das sogenannte Feature »State Share«. Es ermöglicht das Teilen von Spielständen. YouTuber könnten also bemerkenswerte Spielszenen und Situationen mit ihren Fans teilen – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine »Crowd Play«-Funktion soll die Teilnahme an Multiplayer-Games so einfach wie nie machen. Damit das Ganze wirklich kinderleicht und auf Knopfdruck funktioniert, hat Google einen eigenes Stadia-Joypad entwickelt, dessen Layout an den PS4-Controller erinnert.

Googles Vice President/General Manager Phil Harrison war bereits in leitenden Positionen für Atari, Sony Computer Entertainment und Microsoft tätig, während Stadia-Games-Leiterin Jade Raymond unter anderem für EA und Ubisoft produzieren durfte. Diese Menschen haben also tatsächlich Ahnung von der Materie. Der Cloud-Gaming-Dienst soll noch 2019 in den USA, Kanada, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern starten.

Controller (Google Stadia)

Für diese Spieler könnte sich Stadia sehr schnell zu einem Rundum-Sorglos-Paket entwickeln und das könnte PlayStation, Xbox und Co tatsächlich Probleme bereiten

Damit wären wir schon beim ersten Streitpunkt. Gerade hier in Deutschland wird viel darüber diskutiert, ob unsere Internet-Leitungen überhaupt schnell genug sind, um Games mit 4K-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde zu streamen. Ich lebe in der Stadt, verfüge über einen 500MBit/s-Anschluss und habe Cloud-Gaming-Angebote wie GeForce Now und PlayStation Now erfolgreich getestet. Kollegen von mir, die sich mit einem 50MBit/s-VDSL-Anschluss begnügen, hatten ebenfalls keine Probleme. Allerdings ist eine gewisse Latenz nicht von der Hand zu weisen, ähnlich wie der gefürchtete Input-Lag bei lahmen Displays. Außerdem kann ein komprimiertes Bild aus dem Netz qualitativ (noch) nicht mit einer lokalen digitalen Video-Verbindung konkurrieren. Da ich einen fetten Gaming-PC besitze, der mit einem schlanken OLED-TV verbunden ist, interessiert mich Cloud-Gaming heute noch nicht. Das könnte sich jedoch ganz schnell ändern, wenn Bildqualität und Latenz optimiert werden.

Weltweit gibt es aber heute schon eine riesige Zahl von Gamern, die zwar eine schnelle Internetverbindung, aber keine Kohle für dicke Hardware übrig hat. Für diese Spieler könnte sich Stadia sehr schnell zu einem Rundum-Sorglos-Paket entwickeln und das könnte PlayStation, Xbox und Co tatsächlich Probleme bereiten. Letztlich ist aber nur eine Sache wirklich sicher: Es ist noch viel zu früh, um über Erfolg oder Misserfolg von Googles Stadia zu diskutieren.