Handheld-Modus (Nintendo Switch)
Die Nintendo Switch ist weltweit bereits mehr als 32 Millionen Mal über die Ladentheke gewandert

Gerne erinnere ich mich an meine Kindheit zurück. Das Nintendo Entertainment System und der Ur-GameBoy haben mich zum Gamer gemacht. Auf dem SNES und Nintendo 64 gab es stundenlange Multiplayer-Sitzungen mit meinen Freunden, doch spätestens mit der Wii folgte bei mir langsam aber sicher der Bruch.

Schon die Wii U war für mich eine einzige Enttäuschung, weshalb ich die Nintendo Switch vor nunmehr zwei Jahren nicht einmal vorbestellt habe und doch kam sie wieder. Diese Faszination für das Neue. Eines muss man Nintendo lassen: Die innovativen Konzepte der letzten Konsolen waren genial.

So war es für mich letztlich wenig überraschend, dass ich am 03. März 2017 in den nächstgelegenen Laden rannte und mir die letzte Nintendo-Switch-Konsole sicherte. Als Gamer musste ich diesen genialen Handheld-Heimkonsolen-Hybriden unbedingt haben. Was soll’s: Zelda wird es schon richten.

Die Begeisterung für die neue Konsole hielt auch eine Weile. Hey, Snipperclips war cool, Mario + Rabbids: Kingdom Battle war nett und Super Mario Odyssey zweifelsohne eines der besten Spiele, die ich in den vergangenen Jahren gespielt habe. Und sonst so? Enttäuschung macht sich breit. Zum Jahresende 2018 habe ich meine Switch endgültig verkauft, nachdem sie zuvor monatelang eine dicke Staubschicht ansetzte. Heute fehlt sie mir kein Stück und ich verrate euch auch, warum.

Artwork (Super Mario Odyssey)

»Super Mario Odyssey« ist zweifelsohne eines der besten Spiele, die ich in den vergangenen Jahren gespielt habe

Mir fehlen die Spiele

Ich erinnere mich an die Versprechen im Vorfeld der Veröffentlichung: Die Nintendo Switch soll endlich auch bei Core-Gamern einschlagen und soll regelmäßiger mit hochwertigen Spielen versorgt werden, als es ihrem Vorgänger vergönnt war.

Das mag vielleicht auch für das erste Jahr gestimmt haben, in dem Nintendo tatsächlich jeden Monat ein großes Spiel veröffentlicht hat. Aber reicht das? Leider nicht. Natürlich gibt es sie, die genialen Switch-Games. Aber wie auch schon auf der Wii U kann ich diese leider an einer Hand abzählen.

Ein weiteres Problem: Die meisten Spiele kenne ich in irgendeiner Form bereits von anderen Systemen. Die Portierungen sind lästig und eines der größten Probleme der Hybridkonsole – Nintendo, wo sind denn die eigenen, neuen Ideen?

Donkey Kong Country: Tropical Freeze? Großartig, aber ausgelutscht. Skyrim? Schon viermal gespielt. Rayman Legends? Ein alter Hut. Mario Kart? Macht Laune, aber kenne ich eben auch schon.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Nintendo Switch zu einem Paradies für Indie-Games entwickelt. Das ist schön zu sehen, da solch vermeintlich kleine Titel auch hervorragend zum Mobile-Aspekt des Hybriden passen. Aber auch hier leidet die Konsole unter mangelnden Exklusivtiteln.

Früher oder später erscheinen diese Spiele auch für andere Plattformen. Ja Mensch, teilweise schaffen es sogar steinalte Games nach Jahren auf die Konsole und erleben dort ihren zweiten Frühling – Super Meat Boy zum Beispiel. Hab ich vor über acht Jahren durchgezockt, brauch ich nicht noch mal. Für die Entwickler freut mich dieses erneute Aufblühen, aber mir ist das einfach zu wenig.

Key Art (The Legend of Zelda: Breath of the Wild)
»The Legend of Zelda: Breath of the Wild« sieht hervorragend aus – trotz schwachbrüstiger Switch-Hardware

Enttäuschende Technik

Die Nintendo Switch kann hardwareseitig nicht mit den anderen Konsolen oder dem PC mithalten. Das wäre an und für sich auch nicht so tragisch: Spiele wie Zelda oder Super Mario Odyssey sehen hervorragend aus, auch ohne Schnick-Schnack wie Raytracing oder 4K-Auflösung.

Das Problem ist eher, dass diese technischen Limitierungen die Kaufentscheidung für einen Multiplattform-Titel nicht unbedingt zugunsten der Switch entscheiden. Warum soll ich mich für dasselbe Geld mit einer abgespeckten Variante desselben Spiels zufrieden geben?

Teilweise sogar für mehr Geld, immerhin sind die Cartridges in der Produktion teurer als eine Blu-Ray, weshalb Switch-Spiele meist mit ein paar Euro mehr zu Buche schlagen. Seien wir doch mal ehrlich: Gerade wenn es um Technik oder Spiele geht, wollen wir doch die bestmögliche Qualität für unser Geld bekommen, oder nicht?

Ich bin kein Mobile-Gamer

Eines der wichtigsten Kaufargumente für die Nintendo Switch ist die Option, das Teil aus dem Dock zu holen und immer und überall meine Lieblingsspiele zu spielen. Die gibt’s aber nicht auf der Switch … ach ja, das Thema hatten wir schon. Anderer Ansatz:

In den ersten Monaten mit der Konsole war es durchaus bequem, die Switch auszudocken und mich auf das Sofa zu schmeißen, um im Handheld-Modus einfach weiterzuspielen. Ein cooles Konzept, das will ich auch gar nicht abstreiten. Aber eines, das ich persönlich einfach nicht brauche. Ich bin kein Fan von Mobile-Games und wenn ich einmal im Zug oder Flugzeug sitze, dann finde ich im Play Store auf meinem Android-Smartphone mehr als genug Spiele, mit denen ich mir die Zeit vertreiben kann.

Key Art (Super Mario Odyssey)

»Super Mario Party« unterstützt weder den Handheld-Modus, noch ist das Spiel mit einem Nintendo Switch Pro Controller spielbar

Für eine einstündige Zugfahrt Breath of the Wild anzuschmeißen lohnt sich doch gar nicht. Natürlich gibt es auch kleinere Games, die sich besser für ein paar schnelle Runden zwischendurch eignen, aber ich finde die Switch im Handheld-Betrieb auf Dauer nicht allzu bequem – mir schlafen nach einer Weile die Hände ein und mein Handgelenk bittet mich, mehr oder weniger freundlich, doch mal eine Pause einzulegen.

Nein, für mich ist das nichts. Ich will auch auf Reisen nicht unbedingt immer die klobige Switch mitnehmen, die mit Schutztasche und Netzteil nicht gerade wenig Platz einnimmt und auch in einem engen Flugzeugsitz nicht unbedingt ein Handschmeichler ist.

Hinzu kommt, dass nicht einmal alle Spiele den stark beworbenen mobilen Modus unterstützen. Super Mario Party zum Beispiel – Nintendo schießt sich damit selbst ins Bein. Zumal die technischen Limitierungen im Handheld-Modus noch stärker ins Gewicht fallen.

Nintendo Switch Online – wofür soll ich zahlen?

Wir leben in einer Zeit, in der Onlinespiele oder -funktionen aus Games nicht mehr wegzudenken sind. Das ist Neuland für Nintendo, was man leider auch deutlich merkt. Das WLAN-Modul der Switch ist eine echte Katastrophe: Bei mir Zuhause, knapp einen Meter neben meinem Router, kommen gerade einmal 30 % meiner möglichen 150 Mbit/s an – enttäuschend.

Kein Wunder also, dass Nintendo selbst zur Verwendung des LAN-Adapters rät, der die Geschwindigkeit bei mir immerhin verdoppeln konnte. Aber den muss ich halt leider erst mal dazu kaufen.

Seit September letzten Jahres werde ich für die Nutzung der Onlinefunktionen nun auch zur Kasse gebeten. Mit knapp 20 Euro im Jahr liegt der Preis auch erfreulich stark unter Xbox Live Gold oder PlayStation Plus. Trotzdem stellt sich mir die Frage, wofür ich hier überhaupt zahlen soll?

Doch auch außerhalb der Verbindungsqualität wirkt das Konzept nicht wirklich durchdacht

Nintendos Onlinespiele setzen auf eine Peer-to-Peer Verbindung, dedizierte Server gibt es nicht. Der Unterschied ist jederzeit spürbar, die Verbindungsqualität bescheiden. Schon vor dem Start des Onlineservice konnte ich meine Multiplayer-Spielstunden an einer Hand abzählen, dass ich jetzt für diese Qualität auch noch zur Kasse gebeten werde, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Aber hey: Dafür bekomme ich ein paar NES-Klassiker spendiert … die mich einen feuchten Kehricht interessieren. Super-Nintendo- und Nintendo-64-Spiele sollen Gerüchten zufolge nachgereicht werden, allerdings zusammen mit einer Preiserhöhung des Onlineservice. Danke, ich verzichte.

Doch auch außerhalb der Verbindungsqualität wirkt das Konzept nicht wirklich durchdacht. Voice Chat? Gibt es nur umständlich über eine Smartphone-App. Doch dann bekomme ich nix mehr vom Spielesound mit, großartig. Außerdem fehlt mir so etwas wie die Trophäen der PlayStation beziehungsweise Erfolge auf der Xbox, mit denen ich mit meinen Bekannten in einen freundschaftlichen Wettstreit treten kann.

Der Ausblick auf 2019

Nach einem starken ersten Jahr war 2018 für mich eine herbe Enttäuschung. Exklusivtitel wie Kirby Star Alliance oder Mario Tennis Aces blieben in Sachen Spielspaß hinter den Erwartungen zurück. Natürlich gab es auch positive Überraschungen: das grandios Octopath Traveler zum Beispiel oder das herausragende Indie-Game Gris.

Oder ein Pokémon Let’s Go und Super Smash Bros Ultimate – sicherlich zwei gute Spiele, die mich persönlich aber überhaupt nicht ansprechen. Doch wie sieht es für dieses Jahr aus?

Riesige Hände (Gris)
Das wunderschöne Indie-Game »Gris« gehörte 2018 zu den positiven Überraschungen

Mit Metroid Prime 4 wird mein Switch-Hoffnungsträger nicht mehr in 2019 erscheinen, sondern nach dem Neustart der Entwicklung frühestens im kommenden Jahr aufschlagen. Switch-Spiele die mich wirklich reizen würden, gibt es leider nicht viele.

Yoshi's Crafted World könnte ein wirklich schöner Plattformer werden. Aber wird es auch nicht wieder so leicht wie Kollege Kirby? Beträgt die Spielzeit mehr als nur ein paar Stunden? Man weiß es nicht. Erscheint Animal Crossing überhaupt noch in diesem Jahr? Was hat Luigi's Mansion 3 auf dem Kasten?

Das sind mir leider einfach zu viele Fragezeichen. Das einzige Spiel, dem ich durch den Verkauf meiner Switch wirklich nachtrauere, ist Fire Emblem: Three Houses. Alles andere spiele ich dann lieber auf anderen Systemen oder muss erst einmal beweisen, dass es überhaupt etwas taugt.

Microsoft: Der Retter in der Not?

Vor allem die nächsten Wochen und Monate könnten durchaus spannend für die Nintendo Switch werden, wenn man den aktuellen Gerüchten Glauben schenkt. Microsoft und Nintendo machen ja schon länger mit den Crossplay-Features gemeinsame Sache, doch angeblich wollen die Redmonder noch einen Schritt weiter gehen:

Xbox-Live-Funktionen und der Xbox Game Pass könnten auf die Nintendo Switch kommen. Somit sollen selbst aufwendige Titel wie Halo 5 oder Forza Horizon 4 auf Nintendos Hybriden spielbar sein. Da die Hardware das allerdings nicht packt, sollen die Games gestreamt werden – was wiederum eine gute Internetverbindung voraussetzt. Abermals ist der Handheld-Modus dabei also raus und auch für den Heimbetrieb sehe ich bei der derzeitigen Verbindungsqualität schwarz.

Ob sich diese Gerüchte allerdings jemals bewahrheiten werden, steht in den Sternen. Für Besitzer der Nintendo Switch und als Gamer an sich freut mich diese längst überfällige Zusammenarbeit der Konsolenhersteller, auch wenn ich meine Xbox Funktionen weiterhin auf meiner Xbox One X nutzen werde. Doch wer weiß: Vielleicht stimmen mich die beiden Hersteller ja schon auf der E3 2019 um?

Da fällt mir ein: Erinnert ihr euch an den Arbeitstitel der Nintendo Switch? Vielleicht war der Name NX gar kein Zufall, sondern mit Bedacht gewählt? Nintendo + Xbox = NX. Oh mein Gott, ein Fall für Mulder und Scully.