Ein Blick ins Wörterbuch verrät, dass für den englischen Begriff »Splendor« unterschiedliche deutsche Übersetzungen existieren. Sie alle deuten jedoch in dieselbe Richtung: Pracht, Herrlichkeit, Prunk, Ruhm, Stattlichkeit und so weiter. Man hätte für dieses Familienspiel wirklich keinen besseren Titel wählen können, denn Splendor ist in der Renaissance angesiedelt und lässt euch in die Rolle von Kaufleuten schlüpfen, die Reichtümer und Prestige anhäufen. Vor allem Letzteres ist wichtig, denn wer zuerst 15 Prestige-Punkte sammelt, geht als Sieger der Partie hervor.

Aufgebautes Spiel (Splendor)
Entwicklungskarten repräsentieren beispielsweise Minen, Transportmittel, aber auch Kunsthandwerker

Es gibt viele Spiele, die sich innerhalb weniger Minuten erlernen lassen, aber nur die allerwenigsten bieten neben Einsteigerfreundlichkeit auch Langzeitmotivation. Splendor gelingt dieses Kunststück mit Bravour und dabei grenzt seine Simplizität fast schon an Zauberei. Splendor ist extrem einfach zu lernen und wird dennoch mit jedem Spiel herausfordernder. Klingt paradox, ist aber die Wahrheit, denn je tiefer ein Spieler in die Materie eindringt, desto vielschichtiger wird seine Strategie und das erhöht die Herausforderung für alle Mitspieler.

Ihr sammelt Chips, die wertvolle Edelsteine abbilden. Diese solltet ihr so smart wie möglich investieren, um ein gutes Set aufzubauen und so viel Prestige wie möglich zu generieren. Ihr könnt beispielsweise Minen und Transportmittel kaufen, aber auch Kunsthandwerker beauftragen. Diese werden von Entwicklungskarten repräsentiert, die euch mit unterschiedlichen Boni und Prestigepunkten belohnen. Es liegen immer 12 Karten in der Auslage und diese kosten eine bestimmte Anzahl unterschiedlich gefärbter Edelsteine.

Verpackung (Splendor)

In puncto Nervenkitzel ist das so, als würde man eine Partie Schach und Poker gleichzeitig spielen

Pro Runde dürft ihr eine Aktion ausführen und habt dabei im Grunde nur drei Möglichkeiten: Edelsteine (Chips) aufnehmen, eine Karte kaufen oder eine Karte reservieren. Wie bereits beschrieben, bietet jede Karte ganz spezifische Boni und Prestige-Punkte. Beispielsweise einen permanenten Edelsteinbonus, der die Kosten weiterer Karten senkt. Die Reservierung einer Karte bringt euch wiederum einen Joker-Chip und verhindert außerdem, dass sich ein Konkurrent diese Karte schnappt. Ihr müsst also nicht nur die Karten und Edelsteine im Auge behalten, die euch voranbringen könnten. Ebenso wichtig ist es, sich jene Karten und Edelsteine zu merken, die eure Konkurrenz im Blick hat.

Ein Spiel so smart wie seine Spieler

Der Clou: Jedes Mal, wenn jemand eine Karte oder Edelsteine einer bestimmten Farbe erwirbt, verändert sich die Auslage. Somit müsst ihr wirklich nach jedem Zug eure komplette Strategie hinterfragen und gegebenenfalls verändern. Das ist eine enorme geistige Herausforderung, vor allem, wenn man mit erfahrenen Spielern konkurriert. Tatsächlich steigt der Schwierigkeitsgrad mit der Erfahrung der Spieler, denn je gewiefter ihr vorgeht und je smarter ihr eure Absichten verschleiert, desto schwieriger wird es für eure Kontrahenten. In puncto Nervenkitzel ist das so, als würde man eine Partie Schach und Poker gleichzeitig spielen.

Aufgebautes Spiel mit weißen Hintergrund (Splendor)

Wir verstehen immer noch nicht, wie man mit einem derart simplen Regelwerk ein derart anspruchsvolles und abwechslungsreiches Spiel auf die Beine stellen kann

Es ist einfach megaspannend, die nächsten Aktionen der Mitspieler zu antizipieren, in dem man deren Chips und Karten studiert. Besitzt ein Gegner zum Beispiel drei grüne und fünf blaue Edelsteine, dann könnte er sich eine ganz bestimmte Schiffskarte schnappen. Würde es Sinn machen, ihm zuvorzukommen und die Karte zu reservieren? Vielleicht verfolgt er aber ganz andere Absichten und möchte euch nur auf eine falsche Fährte locken. Auf welche der Karten in der Auslage könnte er es noch abgesehen haben? Ihr müsst also mit weiser Voraussicht agieren, smarte Strategien und Alternativen entwickeln, um jederzeit schnell und effektiv reagieren zu können.

Wir verstehen immer noch nicht, wie man mit einem derart simplen Regelwerk ein derart anspruchsvolles und abwechslungsreiches Spiel auf die Beine stellen kann. Wahrscheinlich macht genau das den Zauber von Splendor aus. Kein Wunder also, dass Asmodees Familienspiel über Wochen und Monate ausverkauft war und zu den begehrtesten Titeln da draußen zählt. Keine Bange, mittlerweile ist eine Neuauflage in ausreichender Stückzahl erhältlich – sogar mit überarbeitetem Cover, damit die Verpackung ebenso frisch und unverbraucht wirkt wie ihr Inhalt.

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