Eine Million Spieler tummelten sich in den ersten acht Stunden auf den Server, nach nur einem Tag waren es sogar schon drei Millionen. Von wegen, die Spieler sind dem Genre der Battle-Royale-Shooter mittlerweile überdrüssig. Grund genug, uns Apex Legends einmal genauer anzuschauen und den neuen Stern am Battle-Royale-Himmel auf Herz und Nieren zu testen.

Die Mischung macht’s

Doch Apex Legends wäre nicht so erfolgreich, wäre es nur der nächste klassische 08/15-Genrevertreter, da müssen schon ein paar frische Ideen her. Glücklicherweise bietet das Spiel genau diese, in dem es das Gameplay verschiedener Shooter kombiniert.

Bloodhound und ein Rabe (Apex Legends)

Das Spiel mischt die altbekannte Battle-Royale-Formel mit der Spielbarkeit von »Titanfall« und garniert das Ganze mit den Klassen eines Helden-Shooters wie »Overwatch«

Dass die Männer und Frauen von Respawn Entertainment wissen, wie man einen guten Shooter macht, haben sie bereits mit den beiden Titanfall-Spielen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Immerhin konnten Vince Zampella und sein Team bereits bei Infinity Ward mit Call of Duty jahrelange Erfahrung sammeln.

Heute wissen wir: Apex Legends hätte einmal Titanfall 3 werden sollen, wie Lead-Designer Drew McCoy erfrischend offen in einem Interview verraten hat.

Klar, ein neues Titanfall wäre super und wird eventuell auch in diesem Jahr noch erscheinen, aber Apex Legends ist großartig, so wie es ist.

Die Besonderheit? Das Spiel mischt die altbekannte Battle-Royale-Formel mit der Spielbarkeit von Titanfall und garniert das Ganze mit den Klassen eines Helden-Shooters wie Overwatch. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Spielerlebnis, das sich gekonnt von der Konkurrenz abheben kann. Ach ja: Kostenlos ist das Spiel auch noch. Braucht ihr noch mehr Gründe, um Apex Legends eine Chance zu geben?

Acht Legenden für ein Halleluja

Okay, die Ideen und Spielmechaniken sind also nicht wirklich neu. Im Endeffekt hat man das meiste in ähnlicher Form irgendwo schon einmal gesehen. Aber eben nie in nur einem Spiel, genau das macht Apex Legends so besonders.

Zum Start stehen insgesamt acht Helden, die sogenannten Legenden, zur Auswahl. Diese unterteilen sich in die üblichen Klassen wie Support, Angriff, Verteidigung und Heiler. Jede dieser Klassen wartet mit drei einzigartigen Fähigkeiten auf: Eine passive ist immer aktiv, eine aktivierbare Fähigkeit und ein Ultimate.

Da wäre zum Beispiel die gute Bangalore, die sich mit Rauchgranaten und einem Artillerieschlag spielt, wie eine klassische Figur aus dem Shooter-Genre. Demgegenüber steht dann aber der Roboter Pathfinder, der sich mit dem Kletterhaken schnell über die Map katapultiert und eine Seilrutsche für seine Squad-Kameraden aufstellt.

Squad-Kameraden? Ganz genau: Apex Legends ist ein Teamspiel. Ein reines Teamspiel. Einen Solomodus wie in der namhaften Battle-Royale-Konkurrenz gibt es nicht. Ihr seid jederzeit zu dritt unterwegs und kämpft gegen 20 anderen Teams ums Überleben. Maximal 60 Spieler also – in Kombination mit der etwas kleineren Karte sorgt das für deutlich schnellere Action und kürzere Runden.

Das Balancing der Klassen hat in meinen ersten Stunden mit dem Spiel bereits einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Im Vergleich zu Overwatch und Co. habe ich noch keinen Charakter gefunden, der mir gar nicht gefallen würde.

Jede der Klassen hat ihre Vor- und Nachteile und ist nicht so stark auf ihre Rolle festgelegt, wie man es vielleicht erwarten würde: während Gibraltar als klassischer Tank Schilde aufstellt, um Schaden zu absorbieren, hat es seine ultimative Fähigkeit in sich. Der Hüne fordert mal eben einen mächtigen Mörserangriff an, der alles und jeden im Zielgebiet platt macht.

Bloodhound hingegen wirkt auf dem Papier als Aufklärer erst einmal weniger spannend und kann »nur« die Feindpositionen aufdecken und farblich markieren. Klingt schwach, erweist sich im Kampfgeschehen allerdings als unglaublich effektiv. Nicht selten konnte ich mich so von hinten an einen Feind anschleichen und ihm den Garaus machen – sehr cool.

Teamplay führt zum Erfolg

In Apex Legends dreht sich alles um das Zusammenspiel mit den Teamkameraden. Entferne ich mich von meinem Squad, schwinden meine Chancen auf den Sieg. Daher gibt uns das Spiel einige gelungene Möglichkeiten an die Hand, von denen sich die Konkurrenz gerne mehrere Scheiben abschneiden darf.

Klar: Zusammen mit zwei Freunden und mit Kommunikation via Headset läuft’s immer noch am besten. Aber auch mit zufälligen Spielern lässt sich das Spiel hervorragend spielen. Das liegt zum einen am genialen Ping-System, dank dem wir in einem Kreis-Menü Gegnerpositionen für unsere Kameraden hervorheben oder unser nächstes Ziel vorschlagen können.

Der Start spielt sich genretyptisch in einem Flugzeug ab, das in einer zufälligen Bahn über die Karte fliegt. Wir müssen abspringen und uns am Boden zunächst einmal Waffen und Ausrüstung selbst zusammensuchen. Glücklicherweise hat Apex Legends auch hier ein paar interessante Kniffe parat.

Ein Squad (Apex Legends)
In »Apex Legends« dreht sich alles um das Zusammenspiel mit den Teamkameraden.

Vor jeder Runde wird ein Jumpmaster ausgesucht, der den Zeitpunkt des Absprungs und den Zielort für die Truppe bestimmt. Unsere Flugbahn folgt automatisch der des Anführers, was wir auf Wunsch aber auch ändern können – wirklich sinnvoll ist das allerdings nur selten.

Am Boden angelangt erwartet uns das klassische Battle-Royale-Gameplay, wie wir es beispielsweise aus Call of Duty: Black Ops 4 kennen. Wir sammeln Waffen auf, die wir dann mit verschiedenen Aufsätzen ausrüsten können und freuen uns über Rüstungen, Heilgegenstände oder Granaten. Es gibt den Kreis, der sich im Verlauf einer Runde immer weiter zusammenzieht und ist unser Squad ausgelöscht, ist die Runde vorbei. So weit, so bekannt.

Ein Novum stellen die Wiederbelebungen dar: gefallene Teamkameraden können wir ins Leben zurückholen, wenn sie am Boden liegen – das alleine ist nicht neu. Wohl aber, dass wir nach dem Ablauf eines Timers die Erkennungsmarken unserer verstorbenen Verbündeten einsammeln dürfen, um diese an den auf der Map verteilten Respawn-Punkten zurückzuholen. Dann allerdings komplett ohne Ausrüstung aber hey, immerhin sind wir nicht mehr allein auf weiter Flur.

Die Schießeisen und das Gunplay haben die Entwickler aus Titanfall übernommen, wer also schon einmal die Mech-Shooter gezockt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Dank extrem präziser Steuerung machen die Kämpfe also eine Menge Spaß. Hinzu gesellt sich das einzigartige Bewegungsrepertoire, dank dem wir in Windeseile an Seilrutschen die Karte überqueren oder im Eiltempo einen Berg hinunter rutschen.

Ein sauberer Start

Aus spielerischer Sicht macht Apex Legends also schon jetzt eine Menge richtig, doch auch die Technik kann überzeugen. Wie auch Titanfall 2 läuft das Spiel auf der etwas betagten Source-Engine, die jetzt zwar nicht gerade ein Grafikfeuerwerk entfacht, allerdings ein jederzeit flüssiges und ruckelfreies Spielerlebnis auf dem Bildschirm zaubert – und genau das ist im Rahmen eines kompetitiven Shooters Gold wert.

Besonders erstaunlich (leider, muss man heutzutage ja sagen) ist, welch blitzsauberen Start das Spiel hingelegt hat. Serverausfälle, volle Warteschlangen, Verbindungsprobleme? Fehlanzeige. In den ersten Tagen mit Apex Legends kann ich die Male, die ich vom Server geflogen bin, an einer Hand abzählen. Da bin ich ganz anderes gewohnt.

Kommen wir zum leidigen Thema Mikrotransaktionen. Wer vielleicht Angst hat, dass sich stärkere Helden, neue Fähigkeiten oder besonders hochwertige Waffen nur mit echtem Geld kaufen lassen, kann aufatmen: Ja, wir können im ansonsten kostenlosen Apex Legends Geld in die Hand nehmen. Allerdings nur für optische Anpassungsgegenstände wie Waffenskins, Banner oder Embleme.

Spielerische Vorteile können wir nicht kaufen und das ist auch verdammt gut so! Allerdings sind zwei der acht Charaktere zu Beginn gesperrt. Die zur Freischaltung nötigen Münzen zu sammeln dauert ziemlich lang, greifen wir zum Geldbeutel, geht das deutlich schneller. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch weiterhin alle spielrelevanten Inhalte auch mit der Ingame-Währung freischalten lassen. Waschechte Pay2Win-Mechaniken gibt’s in Apex Legends derzeit jedenfalls nicht.

Key Art (Apex Legends)
»Apex Legends« ist ein unglaublich spaßiger Mix aus Battle-Royale- und Helden-Shooter im Titanfall-Universum

Fazit: Die Zukunft entscheidet

Apex Legends hat definitiv das Zeug dazu, die Konkurrenz im Genre der Battle-Royale-Shooter gehörig aufzumischen. Aus spielerischer Sicht leistet sich der Titel keine nennenswerten Schwächen – das Gunplay ist überragend, das Balancing hervorragend und die Helden bringen frischen Wind ins Spiel.

Allerdings fallen die Inhalte zum Start noch überschaubar aus. Damit Apex Legends im hart umkämpften Markt überleben kann, muss Respawn Entertainment regelmäßig neue Inhalte nachreichen.

Zumindest für das erste Jahr ist allerdings bereits der Grundstein gelegt: Im Rahmen von Seasons wollen die Entwickler das Spiel ungefähr alle drei Monate mit neuem Content versorgen. Voraussichtlich im März erscheint der Battle Pass mit neuen kosmetischen Items und Apex Packs, im weiteren Verlauf folgen neue Helden, Waffen, Skins und weitere Inhalte der Drop-Kisten.

Unklar ist allerdings, wie man die Map erweitern will. Geht Respawn einen ähnlichen Weg wie Fortnite und führt Veränderungen in Form von Events durch? Oder erwarten uns gänzlich neue Maps, wie es bei PUBG der Fall ist?

Apex Legends ist ein unglaublich spaßiger Mix aus Battle-Royale- und Helden-Shooter im Titanfall-Universum, der mit spannenden Helden und gelungenem Teamplay punktet. Da das Spiel noch dazu kostenlos zum Download angeboten wird gibt es jedenfalls keinen Grund, Apex Legends nicht ausgiebig anzuspielen. Doch Vorsicht: es besteht Suchtgefahr!