Dass Microsoft zum Start der aktuellen Konsolengeneration einige fragwürdige Entscheidungen getroffen hat, die die Xbox-Konsolen in der Gunst der Spieler nicht unbedingt gut dastehen ließ, steht außer Frage. Es ist ja nicht so, als hätte es die Xbox im Vergleich zu Sony und Nintendo jemals leicht gehabt. Schon immer hatten die Konsolen der Redmonder unter Konsoleros mit Vorurteilen zu kämpfen.



Nicht bei mir, ich bin Xbox-Spieler der ersten Stunde. Ich habe seinerzeit mühsam mein Taschengeld zusammengekratzt, um die erste Microsoft-Konsole zum Preis von 479 € vorzubestellen. Ich war dabei, als der Onlineservice Xbox Live gestartet ist und habe auf keinem anderen System in meinen nunmehr 28 Jahren als Gamer länger und intensiver gezockt, als auf der Xbox 360.



Natürlich musste ich auch die Xbox One zum Start haben. Meine Enttäuschung hätte nicht größer sein können. Nicht nur weil es an wirklich hochkarätigen Spiele mangelte, sondern auch, weil ich Microsofts Vorstoß als »All-in-one-Entertainment-System«, sowie dem Kinect-Zwang nur wenig abgewinnen konnte und die Systemoberfläche jeglichen Komfort vermissen ließ.



Aber auch, weil die Xbox One der PlayStation 4 aus technischer Sicht hoffnungslos unterlegen war. Heute, knapp fünf Jahre später, ist von den anfänglichen Kinderkrankheiten nicht mehr viel zu spüren. Kollege Ahmet fragt sich in seinem Artikel, ob die Xbox tot sei, doch für mich ist genau das Gegenteil der Fall:

Für mich ist die Xbox spätestens seit November 2017 endlich wieder zurück in der Spur und ich verrate euch auch, warum.

Ich mag die Exklusivspiele

Mal ehrlich: Wer den meisten Spielspaß aus seinen Games herausholen will, muss eh alle Konsolen zu Hause stehen haben. God of War ist mein persönliches Spiel des Jahres 2018, Spider-Man war großartig und ich liebe Uncharted. Ein Horizon Zero Dawn hier, ein The Last of Us da: Ja, die PlayStation hat mir einige der besten Spielerfahrungen der letzten Jahre geschenkt.



Aber die Aussage, dass es auf der Xbox One keine guten Exklusivtitel gebe, ist schlicht falsch. Ich liebe Rennspiele, was nicht zuletzt an meiner Vergangenheit im Konsolen-eSports liegt. Das war schon immer so. Ein Genre, in dem es auf anderen Konsolen eher mau aussieht.

Forza lautet das Zauberwort, wahlweise mit dem Zusatz Motorsport oder Horizon – Wenn diese Namen erklingen, muss jeder Rennspielfan neidlos anerkennen, dass kein Weg an den Microsoft-exklusiven Reihen vorbeiführt.

Bestes Beispiel ist Forza Horizon 4, das im vergangenen Jahr nahezu alle Preise als bestes Rennspiel abräumen konnte. Egal, ob ich einfach nur Autos liebe, gerne Rennen fahre, drölf Stunden an einer atemberaubenden Lackierung feile oder in aberwitzigen Multiplayer-Modi die Sau rauslassen will: Der vierte Teil der Horizon-Reihe ist quasi das Mekka für alle, die fahrbare Untersätze lieben. Dank unglaublich detaillierter Open World, genialem Jahreszeitenwechsel und nahezu perfektem Mix aus Arcade und Simulation ist Forza Horizon 4 zwar nicht das perfekte Rennspiel, aber wirklich verdammt nah dran.



Autorennen mit Zug im Hintergrund (Forza Horizon 4)
»Forza Horizon 4« ist zwar nicht das perfekte Rennspiel, aber wirklich verdammt nah dran


Quantum Break ist in meinen Augen ein wegweisendes Crossover, das die Grenzen zwischen Spiel und TV-Serie verschwimmen lässt. Die Halo-Reihe beinhaltet bis heute die besten Shooter, die man auf Konsolen spielen kann. Ein Halo Wars 2 ist heutzutage einzigartig und zeigt eindrucksvoll, dass Echtzeitstrategie auch auf Konsolen hervorragend funktioniert, auch wenn das PC-Gamer noch immer nicht wahr haben wollen.

Ori and the Blind Forest ist für mich das beste Metroidvania-Spiel der Neuzeit, weil es sein gelungenes Gameplay mit einer emotionalen Geschichte würzt, wie es kaum einem anderen Spiel gelingt. Ich bin mir sicher, dass der Nachfolger in diesem Jahr noch mal mehrere Schippen draufpackt.

Die PS4 hat Bloodborne, die Xbox One seit Ende 2018 endlich Ashen, das sich selbst als Indie-Game nicht hinter seinen Genrekollegen von FromSoftware verstecken muss.

Soll ich weitermachen?

Die stärkste Konsole



Bereits mit der Xbox One S hat Microsoft eine Menge richtig gemacht und es durch clevere Tweaks (HDR und 4K mal außen vor) sogar geschafft, die Leistung in Spielen zu verbessern - und das ohne deutlich stärkere Hardware. Zurück in die Spur und in meinen Dunstkreis hat Microsoft aber gerade die Xbox One X gebracht.



Dass der heutige Konsolenmarkt schon seit Jahren von einer Grafik-Debatte heimgesucht wird, ist eine Entwicklung, die ich schrecklich finde. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn mit der Next-Gen Spiele auf PlayStation 5 und Xbox Scarlett gleich aussehen und gleich gut laufen. Doch aktuell sind wir davon leider noch meilenweit entfernt.

Ich bin wahrlich keine Grafikhure, ich will einfach nur die beste (Konsolen-)Spielerfahrung für mein Geld haben - und die bekomme ich eben mit der Xbox One X. Die Geschichte hat sich umgekehrt, denn während ich zu Beginn der aktuellen Konsolengeneration sicher sein konnte, dass ein und dasselbe Spiel auf der Xbox One schlechter läuft als auf der PS4, ist mittlerweile genau das Gegenteil der Fall.



Key Art (Resident Evil 2)
Die beste Grafik und Performance bekomme ich auf der Xbox One X

Ob es jetzt ein Red Dead Redemption 2 ist, ein Assassin’s Creed Odyssey, Shadow of the Tomb Raider oder das brandneue Resident Evil 2 Remake: Die beste Grafik und Performance bekomme ich auf der Xbox One X. Zumindest auf Konsolen. Der PC ist bei mir ohnehin außen vor, aber das ist ein anderes Thema.



Doch dieser Vorteil in Sachen Performance wird nicht nur beim Spielen spürbar: Egal, ob ich mir ein YouTube-Video anschaue, Netflix streame oder eine Blu-Ray läuft – Die Bildqualität auf der Xbox One X ist der PS4 Pro überlegen.

Die Xbox One X hat in meinen Augen allerdings noch einen anderen Vorteil gegenüber der PS4 Pro: Der Lüfter ist flüsterleise. Ich hätte niemals gedacht, dass solch ein vermeintlich winziges Detail mal wichtig für mich sein würde. Aber seit ich die Xbox One X zu Hause stehen habe, wurde meine PS4 Pro nur noch hochgefahren, weil der Auto-Start der Konsole das versehentlich so wollte.



Nimmt die PS4 Pro erst mal Fahrt auf, habe ich das Gefühl, ein Düsenjet startet mitten in meinem Wohnzimmer gen Himmel. Dabei muss noch nicht einmal allzu viel auf dem Bildschirm los sein, teilweise dreht der Lüfter der PS4 so hoch, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.

Sorry, aber das muss ich auf Dauer wirklich nicht haben.

Xbox Game Pass und Cross-Buy: eine geniale Innovation

Ein weiterer Grund dafür, warum ich meine Xbox liebe, ist der Xbox Game Pass. Das »Netflix der Videospiele« – Für den Gegenwert von zwei aktuellen Titeln (also 120 €) komme ich ein Jahr in den Genuss der Flatrate. Alle First-Party-Titel von Microsoft sind von Beginn an – ohne zusätzliche Kosten - im Service enthalten. Viele hochkarätige Indie-Games, Spiele-Klassiker und Titel ebenso.



Für mich ist der Xbox Game Pass eine der - wenn nicht sogar DIE größte Innovation der letzten Jahre weil er mir die Möglichkeit bietet, Spieleperlen problemlos anzutesten, ohne dafür extra zur Kasse gebeten zu werden. Mit einem Forza Horizon 4 und Halo 5 habe ich den Preis für das Jahresabo schon wieder drin, der zum Jahresende 2018 sogar halbiert wurde.



Xbox Game Pass
Für mich ist der Xbox Game Pass eine der - wenn nicht sogar DIE größte Innovation der letzten Jahre

Spiele-Highlights wie Ruiner, Ashen, Mutant Year Zero oder The Gardens Between hätte ich ohne den Xbox Game Pass vermutlich nie zu Gesicht bekommen, doch dank der Flatrate kann ich sie einfach unverbindlich mal anzocken, um festzustellen, dass ich stundenlang darin versinke. Danke, Game Pass! Jeden Monat kommen derart viele neue Spiele dazu dass ich mich jetzt schon fragen muss: Wann soll ich das alles überhaupt spielen?



Auch das Cross-Buy Xbox Play Anywhere ist für mich eine geniale Innovation. Spiele, die ich digital kaufe (was ich heutzutage fast nur noch tue), kann ich auf meiner Xbox und meinem PC abspielen und habe meinen Spielstand immer mit dabei. Für mich persönlich kein Kaufgrund, aber definitiv nice to have.

Was Spieler wollen und die beste Onlineerfahrung

Xbox Live bietet seit 2002 schlicht und ergreifend die beste Onlineerfahrung, die der Konsolenmarkt zu bieten hat. Natürlich hat sich das PlayStation Network in den vergangenen Jahren stetig verbessert, aber nirgendwo sind Partychats, Freundeslisten, Nachrichten und die Verbindungsqualität so gut wie bei Microsofts Onlineservice. Selbiges gilt übrigens auch für die Downloadgeschwindigkeit:

Ich habe eine sehr gute Internetverbindung und während ich die knapp 90 Gigabyte an Daten auf meiner Xbox One binnen weniger Stunden heruntergeladen habe, rödelt sich meine PS4 bei einem knapp 1 GB großen Indie-Game einen Wolf. Spaß macht das nicht.

Zudem hat Microsoft endlich (wieder) verstanden, was Spieler wirklich wollen. Neben guten Games versteht sich. Den Xbox Adaptive Controller zum Beispiel brauche ich nicht, trotzdem stellt das Eingabegerät für Spieler mit eingeschränkter Mobilität ein Novum dar - und zumindest davon kenne ich einige, die nun endlich und vielleicht so komfortabel wie nie zuvor in den Genuss aktueller Spiele kommen. Allein dafür gebührt Microsoft Respekt!



Xbox Design Lab
Dank Xbox Design Lab kann ich mir jetzt sogar mein eigenes Gamepad designen

Konsolenspieler lieben Controller. Für mich stellt der Xbox-Controller seit der ersten Generation das komfortabelste und beste Eingabegerät auf dem Konsolenmarkt dar. Nicht nur, weil ich die versetze Anordnung der Sticks bevorzuge, sondern weil das Gamepad auch eine Menge abkann.



Mit einem kleinen Kind zu Hause fällt so ein Controller gerne mal runter und da die Dinger keine 20 € mehr kosten, ist das mehr als ärgerlich, wenn mal etwas kaputtgeht. So habe ich festgestellt, dass der Xbox Controller deutlich robuster ist, als sein DualShock-4-Conterpart. Mal abgesehen davon, dass auch der Akku länger durchhält.



Dank Xbox Design Lab kann ich mir jetzt sogar mein eigenes Gamepad designen und nach Lust und Laune so gestalten, wie es mir gefällt. Das ist zwar nicht gerade günstig, aber einzigartig am Markt und das wird auch von den Spielern gewürdigt.

Fazit: Nachdem ich Microsoft zum Start der aktuellen Konsolengeneration schon abgeschworen hatte, hat mich die Xbox One endlich wieder. Während alle anderen Konsolen langsam aber sicher eine dicke Staubschicht ansetzen, läuft die Xbox One jeden Tag. Microsoft spielt endlich wieder ganz oben mit und ist mit den Entwickler-Einkäufen und Innovationen dabei, den Grundstein für die nächste Generation zu setzen und zu Beginn nicht erneut ins Hintertreffen zu geraten. Ich jedenfalls bin gespannt, was die E3 und das Spielejahr 2019 noch zutage fördern werden.