Ich hatte Angst vor diesem Remake, denn für mich war Resident Evil 2 der mit Abstand beste Teil der Serie und manche Dinge kann man einfach nicht besser machen. Mental hatte ich mich deshalb auf einen heftigen Reinfall vorbereitet. Dann kam plötzlich diese geniale Demo und mein Hype-o-Meter sprang von 0 auf 110 %. Ich wusste: Sollte das fertige Spiel diese Qualität auch nur ansatzweise erreichen, erwartet uns ein absolutes Meisterwerk. Falls ihr die Demo noch nicht gespielt habt, solltet ihr das sofort nachholen.

Mittlerweile habe ich Resident Evil 2 mehrmals durchgezockt – mit beiden Charakteren. Angefangen habe ich als Leon S. Kennedy, dessen bevorstehender Dienstantritt im Raccoon City Police Department sich aufgrund der Zombie-Apokalypse verzögert. Leon wird beim Besuch einer Tankstelle auf die Untoten-Plage aufmerksam. Dort trifft er Claire Redfield, die nach Raccoon City unterwegs ist, um ihren Bruder Chris zu überraschen. Gemeinsam wollen sie sich zum Polizeipräsidium durchschlagen, werden aber kurz vor dem Ziel voneinander getrennt. Mehr möchte ich zur Story nicht verraten. Generell werde ich versuchen, so viele Details wie möglich zu verschleiern, weil Kenner des Originals schon bei der Erwähnung einzelner Begriffe gespoilert werden könnten.

Claire Redfield trifft auf einen Licker (Resident Evil 2)
Das Ergebnis ist ein Abenteuer, das irgendwie total vertraut und trotzdem frisch wirkt

Ihr könnt zu Beginn auswählen, ob Ihr Resident Evil 2 als Leon oder Claire spielen möchtet. Genau wie im 20 Jahre alten Original werdet ihr aber nicht mit komplett unterschiedlichen Kampagnen konfrontiert. Im Endeffekt gibt's jeweils unterschiedliche Waffen, hier und da auch einen Location-Wechsel, inklusive anderer Mitstreiter und Gegner. Während beispielsweise Leon im Waffenschrank eine Schrotflinte vorfindet, liegt für Claire an derselben Stelle ein Granatenwerfer bereit und so weiter.

Die unterschiedlichen Wummen wirken sich gravierend auf die Vorgehensweise des Spielers aus, gerade weil Munition recht knapp ist. Zudem reagiert jeder Gegnertyp mehr oder weniger empfindlich auf bestimmte Projektile. In vielen Fällen kann es auch Sinn machen, die Knarre steckenzulassen und einfach die Beine in die Hand zu nehmen. Man muss von Situation zu Situation entscheiden, welche Strategie am sinnvollsten ist und genau das macht bei Resident Evil 2 einen großen Teil der Spannung aus. Wer mit nur zwei Schuss Munition vor einem Boss steht, lernt sehr schnell, dass man kein komplettes Magazin in einen Durchschnitts-Zombie entleeren sollte – auch wenn es höllisch viel Spaß macht, alle vier Gliedmaßen einzeln wegzuballern.

Key Art (Resident Evil 2)
Ihr könnt zu Beginn auswählen, ob Ihr »Resident Evil 2« als Leon oder Claire spielen möchtet

Den Wurzeln treugeblieben

Resident Evil 2 ist kein 1:1-Remake. Capcom hat quasi die wichtigsten Elemente übernommen und mit neuen Ideen angereichert. Das Ergebnis ist ein Abenteuer, das irgendwie total vertraut und trotzdem frisch wirkt. In Sachen Spielmechanik ging Capcom ebenfalls keine Kompromisse ein. Es fühlt sich weder wie Resident Evil 7, noch wie Resident Evil 4 an. Hier ist wirklich noch die klassische Resi-Formel angesagt. Überall werdet ihr mit kleinen Rätseln konfrontiert, müsst Items kombinieren, Schlösser knacken oder Vorrichtungen in der richtigen Reihenfolge aktivieren. Ich bin wirklich happy darüber, dass sich Capcom gameplay-technisch auf alte Tugenden zurückbesonnen hat.

Schrecklich schön

Es gibt natürlich keine vorgerenderten Hintergründe mehr, aber stilistisch und atmosphärisch gleichen sich Original und Remake sehr. Gerade die Architektur im Spiel ist sehr »resi-typisch«, wobei die Beleuchtung heute eine noch größere Rolle spielt. Wenn ihr zum ersten Mal in einem düsteren Flur steht, während eine gruselige Silhouette am Fenster vorbeischlurft, werdet ihr wissen, was ich meine. Etwas schade finde ich, dass man nur den Zombies einzelne Körperteile abtrennen kann. Ich bin zwar kein Perverser, aber es macht einfach Spaß, einem Untoten den Unterschenkel wegzuballern und in ein hässliches Krabbelbaby zu verwandeln. Die anderen Kreaturen, die sich Leon und Claire in den Weg stellen, lassen sich leider nicht so kreativ zerlegen.

Auch akustisch hat Resident Evil 2 viel zu bieten. Die Surround-Anlage jubelt regelrecht, wenn man ängstlich durch ein verlassenes Gebäude schleicht, während draußen ein Gewitter wütet und im Hintergrund die Zombies stöhnen. Oft könnt ihr Gefahren hören, bevor ihr ihnen begegnet und manchmal wird das auch gegen den Spieler verwendet. Resi 2 spielt quasi immer wieder mit euren Erwartungen.

Es ist echt schwer, einen anständigen Test zu verfassen, wenn man so wenig wie möglich verraten möchte. Bleibt nur noch zu sagen, dass mich das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt hat und mehrmaliges Durchspielen mit einigen Überraschungen belohnt wird. Ich hatte selbst beim dritten Durchgang noch Spaß und mehr kann man von einem Spiel nicht erwarten, finde ich.

Mitmachen und ein »Resident Evil 2«-Fanpaket abräumen!

Facebook-Gewinnspiel