Sora macht Selfie mit Buzz Lightyear und Woody (Kingdom Hearts 3)
»Kingdom Hearts« ist die vielleicht beste Crossover-Serie der Spielegeschichte

Meinen ersten Kinobesuch werde ich wohl niemals vergessen, meinen zweiten aber auch nicht: Drei Jahre später habe ich mir zusammen mit meinem Vater den König der Löwen angeschaut und dabei geheult wie ein Schlosshund. Das tue ich übrigens auch heute noch bei der Geschichte um Simba und Mufasa.





Zwei Kinostreifen, die mir den Weg zu zwei Dingen geebnet haben, die ich heute liebe: Filme und die Welt von Disney. Klar, im Teenager-Alter waren Zeichentrickfilme uncool, weshalb ich von den Werken der frühen 2000er Jahre kaum etwas mitbekommen habe. Doch das hat sich spätestens mit Ralph reichts grundlegend geändert. Mittlerweile habe ich alle vergangenen Streifen nachgeholt – die Welt von Disney und mich verbindet eine Liebe, die nie zu Ende gehen wird.



Genauso, wie die Liebe zu (Disney-)Videospielen. Ich habe Disney's Magical Quest erkundet, Dschafar in Aladdin auf dem SNES gejagt und mir an Der König der Löwen die Zähne ausgebissen. Natürlich gehört seit ihrem Anfang im Jahr 2002 auch die Crossover-Reihe Kingdom Hearts dazu, womit wir endlich beim eigentlichen Thema wären.

Geduld, du haben musst, junger Padawan



Über zwölf Jahre ist es nun schon her, dass der Abspann des PS2-Klassikers Kingdom Hearts II über meinen fetten Röhrenfernseher flimmerte. Zwölf Jahre, in denen so manche Spiele-Serie bereits in der Versenkung verschwunden wäre, nicht aber die Action-Rollenspiele um Sora und seine Freunde.

Ob das nun an den zahlreichen Spin-offs, Remakes und Zusatzepisoden liegt, deren Zuordnung in die richtige Reihenfolge für Neulinge fast so komplex ist, wie das Aussprechen der immer kryptischer werdenden Namen, sei dahingestellt.



Vielmehr verdankt es die vielleicht beste Crossover-Serie der Spielegeschichte aber vor allem dem zeitlosen Gameplay, das bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Die Grafik mag zwar angestaubt sein, aber die ersten Ableger spielen sich noch heute so gut wie eh und je.





Zu Beginn des noch jungen Jahres hat das bange Warten der Fans nun also endlich ein Ende: Kingdom Hearts III ist endlich da. Ganz ohne ellenlange Namenszusätze und pseudo-coole Schreibweisen. Einfach nur die Zahl drei, die hinter dem klangvollen Titel Platz nimmt. Und eines sei bereits jetzt verraten: Das Warten hat sich gelohnt!

Key Art (Kingdom Hearts 3)
»Kingdom Hearts III« ist endlich da. Und eines sei bereits jetzt verraten: Das Warten hat sich gelohnt!

Was lange währt …



Kingdom Hearts III fühlt sich ein bisschen an, wie das nach Hause kommen nach einer langen Reise. Dabei steht das Action-Rollenspiel selbst bei Fans der Serie vor einer schier unlösbaren Aufgabe, immerhin hat sich die Erwartungshaltung ins Unermessliche gesteigert. Eine Aufgabe, die das Abenteuer mit Bravour meistert.

In den ersten Minuten schwinge ich mein Schlüsselschwert und pflüge durch die Reihen der Herzlosen, als wenn ich nie weggewesen wäre. Gleichzeitig staune ich darüber, wie Designer Tetsuya Nomura die Reihe technisch in die Moderne verfrachtet und eine Welt erschafft, die sich nur schwer von den Filmvorlagen unterscheiden lässt.



Kingdom Hearts III ist ein Action-Rollenspiel, wie es im Buche steht: Ich fechte actiongeladene Kämpfe aus und lerne in bester Rollenspiel-Manier neue Fähigkeiten und Talente. Doch wer das Spiel nur darauf reduziert, tut ihm unrecht – in dem Titel steckt noch so viel mehr.



Protagonist Sora agiert schnell und wendig, problemlos kombiniere ich meine Angriffe zu gewaltigen Kombos, schwinge an massiven Steinsäulen entlang und heize meinen Widersachern mit unglaublich abwechslungsreichen Angriffen ein – dem facettenreichen Schlüsselschwert sei Dank, das sowohl im Nah- und Fernkampf, als auch beim Einsatz von Magie jedem Spielstil gerecht wird.





Ach und dann sind da ja auch noch die herausragend inszenierten Spezialattacken, die ein wahres Effektfeuerwerk auf dem Bildschirm entfachen. Wie wäre es zum Beispiel damit, an Bord eines Zugs unsere Feinde wie bei einem Railgun-Shooter aufs Korn zu nehmen? Die neuen Attraktions-Angriffe machen es möglich, die kurzerhand die Fahrgeschäfte aus dem Disneyland in die Spielwelt verfrachten. Das spielt sich genauso abgefahren, wie es klingt.

Warum nur mit einer Welt begnügen?

Kingdom Hearts wäre nicht Kingdom Hearts, würde das Spiel nicht mit abwechslungsreichen Welten aus dem Disney-Universum daherkommen. Im dritten Hauptteil besuche ich unter anderem Woody und Buzz in Toy Story, gehe in San Fransokyo mit Baymax auf Kuschelkurs und setze die Segel mit Jack … Entschuldigung: KÄPT’N Jack Sparrow. Als wäre das nicht schon abwechslungsreich genug oder ein Kaufgrund für jeden großen und kleinen Disney-Fan, bekomme ich es in diesen Welten mit zahlreichen bekannten Gesichtern zu tun – Gänsehaut pur.



Auch wenn das Spiel nicht die Original-Sprecher bietet, überzeugen die Welten mit einer einzigartigen Atmosphäre, die der Vorlage in nichts nachstehen. Zumal auch das Gameplay enorm abwechslungsreich daherkommt.



Wie cool ist es bitte, an Rapunzels Haaren schwingend die Gegner aus den Latschen zu hauen? Oder auf dem Rücken von Ralph das zu tun, was der Spiele-Held am besten kann: Zerstören. Verdammt cool!



Darüber hinaus warten die Welten neben den frischen Szenerien auch mit einzigartigen Spielmechaniken und Mini-Games auf. Die gewaltigen Seeschlachten an der Seite von J… KÄPT’N Jack Sparrow lassen sogar das Pendant aus Assassin’s Creed Odyssey alt aussehen.



Viel zu tun, noch mehr zu entdecken



Ungefähr 40 Stunden dauert ein Durchgang von Kingdom Hearts III, wenn ich alleine der Story folge. Den ohnehin hohen Umfang kann ich aber noch mal fast verdoppeln, wenn ich mich den Mini-Spielen widme oder mich auf die Suche nach versteckten Geheimnissen und optionalen Nebenaufgaben mache.

Egal ob ich die offene Welt erkunde, mit dem Gummi-Jet durchs All fliege oder mich den Plattformer-Sequenzen widme: Kingdom Hearts III macht in all seinen Facetten eine Menge richtig. Nicht alles, das ist klar, aber bis auf wenige kleine Fehlerchen leistet sich das Action-RPG keine groben Patzer.



Was man dem Spiel vielleicht vorwerfen kann, ist, dass es Serienneulingen den Einstieg in die komplexe Handlung nicht unbedingt leicht macht. Zwar kann ich mit dem Spiel auch eine Menge Spaß haben, wenn ich die Vorgänger nicht kenne und sogar komplett auf die Story pfeifen, am besten funktioniert der Titel aber mit vorhandenem Wissen.





Im Rahmen der Kampagne entfesselt Kingdom Hearts III ein wahres Feuerwerk der Gefühle und fesselt mit Themen wie Liebe, Freundschaft oder Ängsten. Dabei gelingt es sogar, die Handlungsstränge der vorangegangenen Teile gekonnt zusammenzufügen und so einen würdigen Abschluss der Reihe zu schaffen.

Die gespielte Kindheitserinnerung

Kingdom Hearts III fühlt sich an wie die spielgewordene Erinnerung an die eigene Kindheit. Nicht, weil Grafik oder Gameplay angestaubt wären, ganz im Gegenteil. Sondern, weil das Spiel die Disney-Magie perfekt einfängt, mit einer hervorragenden Inszenierung sowie einem erstklassigen Gameplay würzt und das Ganze mit den Stärken der Rollenspiel-Schmiede von Square Enix garniert.



Eine unvergleichliche Reise der großen Gefühle zum Lachen, Weinen, Träumen und Genießen. Das Warten auf Kingdom Hearts III hat sich allemal gelohnt. Der beste Serienteil und für mich persönlich schon jetzt eines der besten Spiele des noch jungen Jahres 2019.